Die Lichter der Tora (Rav Kook)

mystiek

horizon

Abraham Isaak HaCohen Kook, Die Lichter der Tora, Berlin 1995 (Akademie Verlag)
Kapitel I
Die Schriftliche Tora und die Mündliche Tora
1. Die Schriftliche Tora empfangen wir mittels der höchsten und umfassendsten Vorstellung in unserer Seele. Wir fühlen aus ihrem Inneren das Gleißen der Herrlichkeit des umfassenden lebendigen Lichtes alles Bestehenden. Wir gleiten an ihrer Hand oberhalb aller Logik und jedes Verstandes, wir empfinden den Geist des höchsten Gottes über uns schweben 1; berührend und nicht berührend gleitet er über unserem Leben und bestrahlt es mit seinem Licht. Das Licht gleißt, leuchtet auf und durchdringt alles, unter dem gesamten Himmel waltet es. Nicht der Geist der Nation ruft solch großes Licht hervor – der Geist Gottes des Allesschöpfers erschuf es. Eine solche Tora des Lebens ist die Grundlage der Schöpfung aller Welten insgesamt.
In der Mündlichen Tora steigen wir bereits herab zum Leben. Wir spüren, daß wir das höchste Licht durch die zweite Ader in der Seele, die Ader, die zum praktischen Leben führt, empfangen. Wir spüren, daß der Geist der Nation, der- wie die Flamme an die Kohle – an das Licht der wahren Tora gebunden ist, durch den ihm eigenen Charakter bewirkt, daß die Mündliche Tora in der ihr eigenartigen Gestalt gebildet ist. Es ist sicher, daß diese menschliche Tora in der Tora des JHWH 2 enthalten ist- Tora des JHWH ist auch sie. Dem klaren Auge dessen, der in den erhellenden Spiegel späht, dessen, der im ganzen Hause des JHWH treu ist 3, kann unmöglich diese Lebensfülle mit all ihren Entwicklungsmöglichkeiten verborgen sein. Auch das, was ein erfahrener Schüler künftig erneuert- alles ist Mose vom Sinai her gesagt worden. 4 Diese beiden Lichter bilden eine ganze Welt, in der sich Himmel und Erde küssen. 5
2. Die Mündliche Tora ruht auf dem Charakter der Nation selbst, die ihren Segen durch die himmlische Offenbarung der Schriftlichen Tora erlangt hat. In der Offenbarung ist die Mündliche Tora niedriger als die Schriftliche Tora. Denn die Hauptveranlassung, ihren Pfad zu finden, ist die Schriftliche Tora, jene höchste Beziehung der Nation zur höchsten Gottheit, zum Ziel der Ziele, zur Ewigkeit und Pracht, in den Welten und oberhalb aller ihrer Gesetzmäßigkeit. 6 Aber in der inneren Gestalt ist die Tora doch Israel wegen seiner höchsten inneren Eignung gegeben – hat doch diese verborgene göttliche Eignung die Erscheinung der Tora vom Himmel über ihnen (das ist Israel) bewirkt. So erweist sich die Mündliche Tora in ihrer Wurzel höher als die Wurzel der Schriftlichen Tora: “Geliebt sind die Worte der Schriftgelehrten mehr als die Worte der Tora.” 7
3. Die Tränkung der Mündlichen Tora geschieht in ihrer Verborgenheit vom Himmel und in Offenbarkeit von der Erde. Für sie muß das Land Israel gebaut sein und ganz Israel entsprechend all seinen Ordnungen in ihm wohnen: Heiligtum und Königtum, Priestertum und Prophetentum, Richter und Ordnungshüter und all ihre Einrichtungen.
Dann lebt die Mündliche Tora im ganzen Glanz ihrer Pracht, blüht und treibt Knospen und verbindet sich mit der Schriftlichen Tora in ihrer gesamten ausgewachsenen Größe. Im Exil trennten sich die Zwillinge, erhob sich die Schriftliche Tora zu heiligen Höhen, und sank die Mündliche Tora zu unterster Tiefe, empfängt aber dennoch verborgene Tränkung vom Licht der Schriftlichen Tora aus dem Folgeertrag 8 der Vergangenheit, der genügt, ihr ein eingeschränktes Leben zu erhalten. Und sie sinkt und fallt Tag um Tag, “bis der Tag zur Neige geht” 9 und das Lebenslicht aus dem Schatz der ewigen Erlösung kommt, und Israel Sieg erlangt, gepflanzt wird in seinem Lande und Erfolg hat in allem Glanz seiner Ordnungen. Dann wird die Mündliche Tora anfangen zu sprossen aus der Tiefe ihrer Wurzel, wird höher und höher aufsteigen, und das Licht der Schriftlichen Tora wird über ihr erneut seine Lichtstrahlen aufleuchten lassen, “neu für die Morgen” 10. Die Liebenden vereinigen sich auf dem Gelände ihres Ehrenplatzes 11. Das Licht der Seele des in Ewigkeiten lebenden Gottes, der sich offenbart in der Belebung Israels und in der Erhebung seines Glanzes, leuchtet mit dem Licht der sieben Tage des Lichtes der Sonne und des Lichtes des Mondes zusammen 12 Ihr Licht wird geradewegs durchdringen und von hier bis dort reichen, der Erde antworten und dem Volk mit aller Pracht des Lebens. “Und das Licht 6 des mondes wird wie das Licht der Sonne sein, und das Licht der Sonne wird siebenmal wie das Licht der sieben Tage, am Tage, da JHWH den Bruch Seines Volkes verbinden wird und die Wunde Seines Schlages heilen wird.” 13

Kapitel lI
Tora um ihrer selbst willen 14
1. Das Problem der “Tora um ihrer selbst willen” ist das der Tora als Selbstzweck. Denn daß das Dasein der Weisheit wirksam werde, ist der Wille des Herrn – Er ist gesegnet. Es ist ein Dasein, das lieblicher und hervorragender ist als alles, was gedacht werden kann. Es gibt da keinen Mangel, außer von unserer Seite aus, das heisst, daß wir -weil wir in einem Körper stecken – nicht die ganze Bedeutung der Größe, Stärke und Erhabenheit ihres Daseins erkennen können. Ist die Weisheit der Tora doch die göttliche Offenbarung gemäß Seinem Willen- Er ist gesegnet- die von seilen unseres Dienstes und unseres Studiums kommt. Jeder, der Tora lernt, bringt ja, was seine Seele anbetrifft, das Dasein ihrer Weisheit von der Möglichkeit zur Wirklichkeit. Gleicht das Licht, das sich aus der Verbindung der Tora mit dieser Seele erneuert, gewiß auch nicht dem Licht, das aus der Verbindung mit einer anderen Seele geboren wird, vergrößert man dennoch die Tora tatsächlich durch sein Lernen. Und weil der Heilige – Er ist gesegnet – will, daß die Tora vergrößert wird, 15 ist der direkte Weg, daß der Mensch aus seiner Liebe zu dem großen Licht heraus, von dem der Herr – Er ist gesegnet- mit der Offenbarung seines Daseins will, daß es immer größer wird, lernt. Vor allem muss man das Studium der Tora erneuern, was gewiß die tatsächliche Vergrösserung der Tora um doppeltes Licht ist.
2. Das Wichtigste beim Lernen der Tora um ihrer selbst willen: Bei den geistigen Gegenständen versteht sich die Sache von selbst, denn die Nähe des JHWH und die Erhabenheit der Heiligkeit ist bei ihnen offensichtlich, und der Mensch erhebt sich mittels ihrer. Aber bei den praktischen Gegenständen muß man verstehen, daß diese alle Zweige und Einkleidungen des Lichtes der göttlichen Geradheit und Gerechtigkeit sind; innerhalb aller Einzelheiten zusammen findet sich die göttliche Seele der Vervollkommnung der Welt: im Leben, in der Materie und im Geist, in der Gesellschaft und im Einzelnen. Das Licht dringt selbstverständlich ebenfalls in jede Einzelheit herab. Da das Empfinden des Herzens und des inneren Verstandes von der umfassenden göttlichen Erleuchtung abhängt, die sich in der ganzen Fülle des praktischen Lebens verbirgt, entsteht dadurch eine innere Offenbarung jeder Einzelheit, die gemäß der Fähigkeit des Geistes eines jeden Einzelnen an das Licht kommt. Manchmal erweitert und gestaltet sich der Gedanke, bis es möglich ist, das Aufleuchten des göttlichen Lichtes, das in irgendeine der Einzelheiten gefaßt ist, auch ebenfalls auf erhabener Ebene in allen Einzelheiten, zum Ausdruck zu bringen und zu erläutern. Manchmal offenbart sich die Sache nur als zartes Aufleuchten im Inneren des Herzens. Doch in jedem Fall erhebt es die Seele auf einen erhöhten Stand, denn das Leben wird insgesamt durch es geläutert. Und das ist: “Jeder, der sich mit der Tora um ihrer selbst willen beschäftigt, wird vieler Dinge gewürdigt.” 16 Bezüglich der umfassenden Erleuchtung heißt es: “Darüber hinaus ist er der gesamten Welt würdig.” 17
3. Wenn man sich mit der Tora beschäftigt, mit einfachen Dingen, sieht man, wie das obere Licht in wunderbarer Gestalt herabsteigt, bis es sich so schön in der Welt des Handelns niederläßt, daß sich das Herz weitet über diese große Kostbarkeit und den Mut dieses Lebens, das aus der Quelle des Allerheiligsten quillt, das gefüllt ist durch den geheiligten Pfad des Lichtes in der gesamten Welt. Man erkennt deutlich, wie dieses Licht so sehr in den Wörtern und Buchstaben, in den Bräuchen, in den Handlungen, in den Rechtssätzen, in den Auseinandersetzungen und in den Erwägungen eingeschränkte Licht, dem obersten, über all dies erhabenen Licht begegnet, sich in ihm badet, und sie sich miteinander vergnügen, und das Licht des Ewiglebenden füllt sich mit Glanz und großer Lust von dieser beständigen Begegnung, die aus der Kraft dessen kommt, der sich mit der Tora um ihrer selbst willen beschäftigt und der Frieden in der oberen Gesellschaft und in der unteren Gesellschaft stiftet. 18
4. Einer der Wege der Beschäftigung mit der Tora zum Selbstzweck ist, die Gemeinschaft Israels an großen geistigen Kräften und allem zu bereichern, was das Licht der Tora – und mit ihr ihre Liebe und ihre Ehre – in einem Herzen aus Israel vermehrt. So kräftigt und verstärkt sich die grundlegende Kraft der Nation. Die einzelne Seele des betreffenden Menschen, der diesen umfassenden Segen bewirkt, vergrößert und verschönert sich ihrerseits ebenfalls, vervollkommnet und verherrlicht sich in vielen saftigen Zweigen, sendet viele herrliche Wurzeln und verwurzelt sich dadurch in den Wurzeln des Baumes des wahren Lebens, sie, die gemäß ihrer Reinheit und Kraft die Tiefe der Milde des guten Geschmacks dieses beglückten Lebens erkennt und fühlt. “Dein Gaumen ist wie der gute Wein, der lieblich mundet, die müden Lippen erfrischt.” 19
5. Wenn man Tora zum Selbstzweck lernt, übt man Wohltat an der Gemeinschaft Israels. Wieso?- Der Geist der Nation stärkt sich an dem, von dem sich ihre Kinder bei ihrer geistigen Ernährung nähren – an der Frucht ihres Geistes. Die Tora insgesamt füllt den Geist Israels, und jeder einzelne, der sich mit der Tora beschäftigt, legt in der Seele Israels Kraft neuen Lebens frei durch die seelische Nahrung, die er von der Tora empfangt. Durch alles, was das Studium mehr beleuchtet und mit erweiterter Kenntnis und gutem Verstand krönt, und alles, was dadurch den Edelmut des Herzens und die Reinheit der Seele ergänzt, eröffnet sich ja immer mehr die Kraft des israelitischen Lebens. Es gibt der Nation Kraft und Lebensfreude, sich zu ermutigen und sich aufzurichten. Das Vergessen der Tora und das Erschlaffen der Hände 20 von der Tora sind die Quelle aller Erschlaffungen, die durch den Geist Israels zur Welt kommen.
6. Grundlage der Tora zum Selbstzweck ist die Stärkung der Kraft der Gemeinschaft Israels, die in uns verborgen liegt. Je mehr wir Zweige der Erkenntnis und die Erweiterung der Empfindung von ihr zur Wirkung bringen, desto mehr vergrößern wir ihre Kraft und lassen ihre Pracht strahlen, ja vermehren wir die Tora selbst, die die Geistigkeit des wahren Lebens der Gemeinschaft Israels ist, die in uns verborgen und in der ganzen Tora zusammen und in jeder einzelnen ihrer Einzelheiten versteckt ist.
7. Grundsätzlich kann man zum Lernen der Tora zum Selbstzweck unmöglich anders kommen als durch solch eine Ertüchtigung der Verständnisses und des mit ihm einhergehenden Empfindens dafür, wie alle Einzelheiten der Tora mit heiliger Liebe geliebt werden und wie das umfassende Licht, das voller Leben ist und Leben zur Welt bringt, alle Einzelheiten insgesamt durchdringt.

Kapitel III
Einzelheiten der Tora und ihre Allgemeinheit
1. Die Bindung der Tora an den Heiligen – Er ist gesegnet- ist die Grundlage des Dienstes der Auserwählten am Heiligtum. Wenn wir uns mit Halachot 21, deren Zergliederungen und Einzelheiten beschäftigen, wissen wir im allgemeinen, daß doch alle Worte der Tora Pfade des JHWH sind, die aus der Quelle des oberen Lebens fließen. Zwar ist ja in der Seele das göttliche Sehnen lebendig, pulsiert die Milde des JHWH in ihrem Inneren, und ist die Nähe Gottes ihr besser als alle Lieblichkeiten. Doch dasselbe zarte Sehnen ist auch im Herzen des Lebens spürbar: “Mein Herz und mein Fleisch jubeln zu dem lebendigen Gott. “ 22 Die Ebene des edlen Empfindens, das auch in allen Klüften der Tora und ihren Einzelheiten verborgen ist, auf dasselbe Maß der umfassenden höchsten Empfindung zu erhöhen, die in der Seele aus der Milde des Höchsten hervorbricht- eine solche Aktivität, die aus einem mächtigen Streben der Seele kommt, gehört zur Bindung der Tora an den Heiligen – Er ist gesegnet. Das heißt, die untere Tora des einzelnen mit der allgemeinen oberen Tora zu verknüpfen.
2. Wenn die Worte mit der Klarheit der Absicht nach oben steigen, wird ständig Kenntnis zum Schatz des höchsten Daseins hinzugefügt. Die Lust der “ewigen Liebe” 23 und die “große Liebe” 24 zum endlosen Licht 25 berauschen sich an der Wonne des Lebens, und “sie sehen es an und strahlen” 26. Aber durch die Abwendung der Aufmerksamkeit und ihre Armseligkeit verdüstert sich das Antlitz des Himmels. Die Pracht wird in Betrübnis verwandelt und schwindet zu nichts. Der himmlische Bedarf, der seine Aufgabe kräftig sucht, schmälert allen Vorzug des Menschen und dämpft das Licht des Verstandes und alle Inhalte des vollen Lebens. Da der Bedarf nach der Wurzel allen Seins eine notwendige, eingeprägte und sich unablässig fortsetzende Sache ist, trocknen durch das Ablassen von der oberen Tora die Quellen des Reichtums des Lebens weg von der Welt. Aber alles kehrt zu seinem Licht und zu seinem glänzenden Leben zurück durch obere Umkehr voll Erkenntnis und guten Verstandes, die durch das Licht der Tora erleuchtet wird. Dies ist ein Erbe der Väter in der Weisheit Israels, die voller ewigen Adels ist; “und ewiges Leben pflanzte er in unsere Mitte, 27 das ist die Mündliche Tora” 28 in all ihren Stufen und in ihrer vollkommenen Pracht.
3. Grundsatz der Kenntnis ist, daß die Gesamtheit der Tora so fest und mit klarem Bewußtsein im Herzen hafte, daß aus der Kraft des Einflusses des Ganzen die Kraft der speziellen Achtsamkeit gegenüber allen Pflichten und Einzelheiten der Tora beeinflußt wird. Dann gleicht die Sache der Lebenskraft, die vom Herzen ausströmt und sich über alle Glieder ausbreitet – was ohne die wahre allgemeine Erkenntnis nicht stattfindet. Da ist jedes Wort aus der Tora ein besonderer Gegenstand für sich; dies bringt Störung in die Grundlage der Toraerkenntnis und hindert den liebevollen und freimütigen Dienst, “und das Wort des JHWH wird ihnen Befehl auf Befehl und Meßschnur auf Meßschnur. “ 29 Denn die Worte der Tora müssen als einerlei Gesetz und einerlei Gebot erkennbar sein.
4. Wenn das Herz gesund ist, breitet sich der Strom des Blutes mit der starken Kraft des Pulsschlages in alle dünnen und fernen Adern aus. Wenn der Verstand stark ist, die Grundlage der Tora und ihre Regeln zu verstehen, und zu verstehen, wie ihre vielen Einzelheiten sich aus ihrer Gesamtheit ergeben, entsteht der helle und zusammenhängende Überblick, dann kommen die große Liebe und Empfindungen der Achtung und der heiligen Pracht für jedes Wort und jede leichte Feinheit der Tora.
5. Wenn man Tora um ihrer selbst willen lernt, führt man willig die erhabene Absicht der Tora fort, die sich in jeden einzelnen Gegenstand ausbreitet. Für den Lernenden selbst und für die ganze Welt mit ihm nimmt die höchste Gnade immer mehr zu. Aber wenn man sie nicht um ihrer selbst willen lernt, dann werden die einzelnen Entdeckungen als isolierte Einzelheiten offenbart, und der darin enthaltene Verstand ist beschränkt. Entsprechend dem Maß des Verstandes ist der Wille unzureichend und voller Pedanterie und Ärger, und es wäre für ihn besser, er wäre nicht zur Welt gekommen.
6. Jedes Wort der Tora, sei es Haggada 31, sei es Halacha32, beansprucht seine Aufgabe bei der Benetzung mit dem Tau der höchsten Belebung 33, und zwar aus dem Schatz der höchsten Empfindungen und der erhabensten Wissenschaften, die aus der mächtigen Allgemeinheit hervorquellen. Denn dies – die Einzelheit, die gelernt wird – rührt von der Allgemeinheit her. Dies ist die Eigenschaft des Durstes derer, die sich mit der Tora um ihrer selbst willen beschäftigen, die in ihnen beständig stärker wird und sie entweder zu Verbitterung der Seele oder aber zum Aufstieg der Seele und zur Erweiterung der Kenntnis in höchster Heiligkeit bringt.
7. In jedem Lernen gibt es ein Aufleuchten des allgemeinen Lichtes, das sich in allem offenbart. Das Aufleuchten ist wegen seiner Beziehung zur Gesamtheit so wertvoll, obwohl es sehr verborgen ist und seine Offenbarung nur seiner Einzelnheit wegen widerfährt. Wer sich mit der Tora um ihrer selbst willen beschäftigt, dessen Wissen und Herz richten sich auf ihre allgemeine Beobachtung. Darum offenbart sich ihm ihr allgemeines Licht, und er erreicht in ihr hohe Grade der Einsicht.
8. An den Weisheiten und Kenntnissen der Welt im konkreten Dasein sehen wir, daß es richtig ist, neben: “wie groß sind Deine Werke, JHWH” 34 genauso mit großem Erstaunen zu sagen: “wie klein sind Deine Werke, JHWH”. Will sagen, genauso wie wir über die Größe der Lichter, über die großen Weiten, die die wunderbaren Sterne des Himmels füllen, und über die mächtigen natürlichen Kräfte voller Erstaunen sind, ebenso bestaunen wir bei unserer Betrachtung der Tiefe der Schöpfung ihre Kleinheit in den Einzelheiten der Glieder der kleinsten Lebewesen und die Winzigkeit der Materialien und die Genauigkeit der Kräfte an den entferntesten Orten. Mittels der vollständigen Kenntnis der beiden Enden, der Größe und der Kleinheit, füllt sich die Vorstellung des Daseins im Herzen des Menschen über sein Fassungsvermögen. So ist es auch mit der Tora. Die Allgemeinheit der höchsten Einsichten darin, mit den allgemeinen Ansichten und mit den höchsten Pfaden der Gerechtigkeit und den erhabenen geistigen Weisheiten – sie zeigen dem Menschen eine Welt voller Größe, von umfassenden Gedanken, die wie die Sterne des Himmels sind. Aber gerade von seilen dieser Erhöhung muß der Mensch in Rechnung stellen, daß er so, wie er großen Besitz in den großen Verallgemeinerungen findet, so auch Haufen über Haufen von vielen Neuigkeiten und Geheimnissen auf jeder Buchstabenspitze findet 35, in allen kleinsten Einzelheiten der Tora, deren genauen Abgrenzungen und sich bildenden Weiterungen in jeden Zweig hinein, der sich weiter aufspaltet in seine Blätter und Sprossen- sie haben kein Maß 36. Dann, selbst wenn er mehr zur Größe des Wissens in den Weiten der Verallgemeinerungen geneigt wäre, wird es ihm angenehm sein, sich mit der Tora in den Feinheiten der Einzelheiten zu beschäftigen, und die Verbindung von großer und kleiner Sache wird ihm gelingen: “Eine große Sache ist das Werk des Thronwagens37 und eine kleine Sache die Angelegenheit Abajje mit Rabba. “ 38
Zu der Stunde, da der Geist des Heiligen 39, der aus der Gemeinschaft Israels hervorgeht, auf dem Menschen waltet, sieht er mit seinenAugen, wie die gesamte Mündliche Tora in all ihren Einzelheiten die Wurzelverzweigung des heiligen Geistes der Nation ist. Sie alle zusammen, die allerletzten weitestgehenden Einzelheiten, stellen in der Fülle des Lebens und des Lichtes die Seele der Nation in ihrer ganzen Größe dar. Aus der großen Liebe, die sich in der Seele für die ganze Nation offenbart, und aus jeder Eignung ihrer Seele, breitet sich reine beständige höhere Liebe zur ganzen Mündlichen Tora aus. Die Liebe strahlt die Erkenntnis der Einzelheiten aus und schärft die Fähigkeit, eine Sache aus der anderen zu folgern in wahrer Einsicht. Von ihr kehrt die Zuneigung zur höchsten Heiligkeit, zur Schriftlichen Tora in der Erhabenheit ihrer. Pracht zurück. Beide glänzen in strahlenden Farben als Wurzel der Seele der Nation und ihrer Zweige.

Kapitel IV
Die ganze Tora
1. Die große Erkenntnis der göttlichen Absicht mit der Tora, der Prophetie und dem Geist des Heiligen Überhaupt bringt das Denken zur Erkundung ihrer Einheit. Und es findet sich, daß die Propheten und die Schriften in der Tora eingeschlossen sind. Die Tora steht eingeschlossen in und vereint mit ihrer oberen Heiligkeit, mit der Stimme des lebendigen Gottes, welcher alles, dessen Seele lebt, lauscht. Alles hört diese große Stimme, die weiter hervorbricht in der ganzen Tora. Die Gemeinschaft Israels in all ihren Generationen erkennt diese große Grundlage der Einheit der Tora, und verhaftet sich ihr mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele. Sie erkennt, daß die Tora des JHWH vollkommen ist, 40 weiß, daß das Wesentliche ihrer vereinigten Seele aus dem vereinigten Licht dieser Tora der Wahrheit hervorgeht, daß das Licht des einigen JHWH darin klar herausgehoben erscheint, in schwarzem Feuer auf weißem Feuer, 41 und sie richtet all ihr Streben auf diese Quelle ihres Lebens. Die Gemeinschaft Israels ist sicher, daß diese Quelle ihr ein starker Turm ist,42 sie weiß, daß die gesamte Tora nur der eine Name des Heiligen – Er ist gesegnet – ist, ein Name, ein Gedanke, ein Ausspruch, wovon es keinen weiteren gibt, in dem alles enthalten ist.
2. Die ganze Tora besteht aus den Namen des Heiligen- Er ist gesegnet. Jede Tugend und jedes natürliche Verhalten ist 43 ja eingeschlossen in die Tora. Jede Weisheit rührt aus der Tora. In jeder guten Seite, die im Menschen oder in einer Gemeinschaft ist, leuchtet ja der Name des Heiligen – Er ist gesegnet. Nur daß es einen Unterschied gibt zwischen dem Wissenden, dem alles aus dem Namen des Heiligen -Er ist gesegnet aufblitzendes Licht ist, und dem, der dies nicht kennt. Aber der Unterschied des Mangels an Kenntnis ist nur ein gradueller. Die Eigenart der Sache hängt von der Innerlichkeit des Punktes ab, wie sehr der Wille die Seite des Guten bewährt. Denn nur in ihm waltet das Licht des Gerechten der Welt44, der sich mit der Grundlage von Allem kleidet, mit Weisheit und mit Güte, um die geistige Schauung und die materielle Schauung des Seins zu vollenden, das heißt sein Ideal und seine reale Verwirklichung. Letztere ist das Ergebnis des ersteren und erreicht dessen Höhe.
3. Jedes einzelne Wort der Tora fließt aus der ganzen Tora, sei es aus der Schriftlichen Tora, sei es aus der Mündlichen Tora, sei es aus jedem guten Lernen, jedem Gebot und jeder Tugend. Nur daß Unterschiede in den Graden bestehen. Aber die Liebe und die Freude an der Ausführung der Gebote und am Studium der Tora um ihrer selbst willen muß die Liebe des Ganzen sein, die Liebe des gesamten Lichtes, des Lebens, der Heiligkeit und der höchsten Geistigkeit; wirklich des Ganzen, das in derjenigen Einzelheit verschlossen und verborgen ist, mit der sich der Mensch gerade beschäftigt; jenes Ganze, das kenntlich gemacht wird durch den Einzelinhalt in allen Erscheinungen seines Lichtes, seiner Pracht und des Glanzes seines Heiligen.
4. In jedem Torawort, in jedem Wort einer einzelnen Halacha strahlt das unbegrenzte höchste Licht. Die absolute göttliche Moral blickt aus jedem einzelnen Rechtssatz. Dem Betrachter, der seine Seele an das Strahlen des Lichtes gewöhnt, offenbart sich in jedem Wort einer Halacha der Inhalt ihres inneren Seins, der sich aus der Welt des Strahlens und des Lichtes füllt, bis er Ober jede Halacha und jedes Kapitel ein neues Lied verbreiten kann, ein volles Lied, einen vollen Spruch. Jenes Lied ergießt sich ebenso immer weiter auf alle Einzelheiten der Halacha, auf alle enthaltenen Biegungen der Verhandlungen, bis der vergnügende und veredelnde Liedkommentar sich auf die ganze Tora ausbreiten kann – auf die ganze Tora, sogar auf die praktische und halachische, außer dem, daß er sich auf die ganze Haggada erstreckt, die im Glanz des zarten geistigen Lichtes strahlt. Wenn man in Heiligkeit und mit erhabener Seele lernt, zeichnet sich die Ausweitung der ganzen Tora insgesamt ab, wie sie austritt aus der Quelle ihrer Heiligkeit, aus der Heiligkeit der Gemeinschaft Israels, und alle Halachot und Einzelheiten sich als Zweige des Lichtes des Lebens von der Quelle des Lebens der Nation insgesamt aus verzweigen.

Kapitel V
Die Buchstaben der Tora
1. Wenn die Seele sich mit dem höchsten Licht der Tora verbindet, werden alle die kleinen Einzelheiten der Seele lieb gemacht, und die Lust an der Tora breitet sich auf jeden einzelnen Buchstaben von den Feinheiten der Tora und den Feinheiten der Schriftgelehrten und all ihren Erweiterungen und Verzweigungen aus.
2. Die Freude, mit der die Tora den Menschen erfreut, kommt von der Menge des Lichtes, das in den Buchstaben der Tora ist, welche voll eines Lebens des göttlichen Vergnügens sind. Sie erfüllen die Seele vollständig mit Lebenslicht und edler Freude. Und mehr als das: was die Freude aus der Eigenart der Buchstaben, die bereits in die Seele aufgenommen sind, hervorbringt, bringt sie aus dem prächtigen geistigen Leben hervor, das sich zunehmend aus den höchsten Quellen ergießt, die sehr viel erhabener sind als die Buchstaben, die in die wahrgenommene Seele aufgenommen wurden. Das Licht ihrer verborgenen Freude ist groß, gefüllt von Ruhe und wunderbarem Vergnügen, dem alle Besitztümer nicht gleichkommen können.
3. Manchmal ist es einem Menschen unmöglich zu lernen, weil er auf einer derartigen Stufe steht, daß die allgemeine Erhellung von oberhalb der Buchstaben auf ihn strahlt, und es ihm unmöglich ist, sich auf die Buchstaben des Lernens zu beschränken. Wenn er dieses Licht in Heiligkeit und in Demut empfängt, wird er danach gewürdigt, mit großer Freude und mit sehr reiner Einsicht zu lernen.
4. “Feuerpferde – das sind die Buchstaben der Tora” 45 – wo der Mensch wegen der Tiefen des Gedankens nicht aus eigener Kraft hingelangt, wird die Schaffenskraft durch seine Verbindung mit dem Buchstaben der Tora- viel mehr als seine Kraft- gesteigert, so wie die Geschwindigkeit der Reise und deren Sicherheit durch das Gefährt gesteigert werden. Es gibt den Fussgänger, der geht kraft seiner üblichen Beobachtungen an den Forschungsgegenständen der Tora, und ihm wird durch die Deutung der Gegenstände anband der Buchstaben der Tora nicht geholfen. Und es gibt den, der keine Kraft hat, zu Fuß zu gehen, und der auf den Buchstaben der Tora auch bei denjenigen Gegenständen fährt, bei denen es für einen gesunden Menschen einfach und passend ist, aus eigener Kraft zu Fuß zu gehen. Und es gibt den, der an jedem Ort, wo er die Kraft hätte, zu Fuß zu gehen, sich der Buchstaben der Tora bedient – nicht wegen seiner Schwachheit, sondern als einer der ehrenhalber auf dem Pferd reitet, um die Gegenstände mehr zu zieren, oder er reitet an einen Ort, wohin man nicht aus eigener Kraft gelangen kann, außer durch die Verbindung der Forschung mit den Buchstaben der Tora.

Kapitel VI
Lernen der Tora
I. Durch das, was man in Heiligkeit lernt, veredeln sich Wille und Verstand gemeinsam. Das göttliche Licht kommt von der eigentlichen Quelle der Seele und erfüllt ihr ganzes Sein, und das geistige Leben breitet sich an alle Enden des Wesens aus, auf dieselbe Weise, wie sich das Blut in seinem Lauf an alle Enden des Körpers ausbreitet. Aber jedes weltliche Lernen jeder Wissenschaft in der Welt belebt eben nur den besonderen Teil, auf den es gerichtet ist. Das ist der Grund für den quantitativen Unterschied zwischen heilig und weltlich 46, abgesehen von dem unschätzbar erhabeneren qualitativen Unterschied.
2. Entsprechend dem Wert der Klarheit der Umkehr vor dem Lernen wächst die Klarheit der Einsicht des Lernens. Der Verstand erhebt sich entsprechend der Grundlage für die Erhebung des Willens und der Verstand wird klar nach dem Maß der Klarheit des Willens.
3. Höchste Umkehr, die aus großer Liebe und aus klarer Wahrnehmung kommt, hebt den gesamtem Lerninhalt auf eine derartig fruchtbare und ergiebige Stufe, daß kein Lerninhalt von sich aus dieser Stufe vergleichbar wäre. Wenn der Mensch sich zu höchsten Gedanken erhebt und ihnen seine Wege in den Tiefen seines Geistes anpaßt, gelangt er zur Wurzel der Tora in ihrer höchsten Gestalt, deren Ziel es ist, die Welt zu der in ihr angelegten Höhe zu erheben. Alles, was er von den Einzelheiten der Tora lernt, ist sowieso nicht neues für ihn, sondern wie eine Erinnerung an etwas, das bereits in seiner Macht steht. Und dies ist das Geheimnis: “Weil sie Fromme sind, bewahrt sich ihre Tora. “ 47

5. Ein Ziel, das Tora hat, ist, die höchste geistige Seite im Menschen zu erwecken, damit er mit heiligen Verstandestätigkeiten beschäftigt sei, und sich von tierisch-körperlichem Versinken abkehre, das die Kraft seiner Selbständigkeit verringert. Was das negative Ziel der Abkehr vom Bösen angeht, sind alle Gegenstände der Tora gleich, jedoch was die Selbstoffenbarung des göttlichen Lichtes angeht, das die Seele labt, gibt es einen großen Unterschied zwischen Großem und Kleinem.
6. Das praktische Lernen ist die Nahrung der Seele. Es baut sie in ihren Teilen in derjenigen Gestalt auf, die von ihrer Natur selbst festgelegt ist, ebenso wie die körperliche Nahrung den Leib aufbaut. Die höchsten Betrachtungen, die Philosophie, die Poesie und die Spiritualität, sind eine Atmosphäre der Atmung für die Seele. Je mehr ein Organ durch gesündere Speise ernährt wird, um so mehr nimmt es den guten Einfluß auf, den die reine Luft auf es ausübt.
7. Einem Turm, der in der Luft fliegt, 48 selbst wenn man ihn in der luftigen Höhe leiten kann, kann man doch schwer eine Einteilung der Wege in rechter Genauigkeit vorzeichnen. So braucht man für die hohen Verstandesvorgänge bei den Gründen der Tora zusätzlich Stärke, ihnen einzelne Pfade vorzuzeichnen, wie die menschliche Weisheit sich anstrengt, im System der Luft ebenfalls genaue Wege vorzuzeichnen. Hoch war die Stufe von Doeg und Achitofel 49 in der Erforschung der Tora, die Probleme zum Turm, der in der Luft fliegt, aufwarfen. Obwohl sie nicht zur schlußfolgerung gelangten, ist jedenfalls der Zweifel der Anfang zu Lösungen.
8. Manchmal kann ein Mensch nicht lernen, weil er sich sehr nach dem Gebet sehnt. Solange er noch nicht richtig gebetet hat, ist die Seele durstig. Dieses gleicht jemandem, der so sehr durstig ist, daß er nicht essen kann, bis er erst getrunken hat, um seinen Durst zu löschen. Danach kann er essen. Diese Empfindung ist bei demjenigen entwikkelt, dessen Seele groß ist und in der eine Wurzel des Lichtes der Gerechten liegt. Im allgemeinen wird dabei die Grundlage des Gebetes eine Zurüstung für die Tora sein, wie das Trinken von Wasser, das hilfsweise nährt, um die Nahrungsteile allen Teilen des Körpers zuzuführen. Aber wenn ihm keine Nahrung beigegeben würde, würde auch das zuführende Wasser nichts nützen: “Wendet er sein Ohr vom Hören der Tora ab, ist auch sein Gebet Greuel. “ 50

9. Das Lernen der Mischna und der schon festgelegten Halchot erzielt im Heiligen eben die Wirkung, die das geographische Studium im Weltlichen zwecks Ausrichtung des Verstandes und seiner wirklichen gründlichen Grundlegung erzielt, die ein guter Wirkstoff für die höchsten und abstraktesten Sachen ist. Dadurch gelangt der Mensch zu der verstandesmäßigen Aneignung, wie jede Größe in vollendeter Einfachheit zu erfassen sei, damit nicht durch die Größe irgendein leichtes und kleines Ding verwischt werde. Dies ist eine Art Beispiel für das Obere, daß der Idealzustand im weitesten Höhenflug besteht, der auf alles Kleine im Seienden blickt, es zu vervollkommnen in allen seinen feinsten und kleinsten Einzelheiten.
10. So wie der gesunde Mensch das Leben mag und dafür keine Gründe und Nachweise sucht, aber der Kranke in der Krankheit seiner Seele, in der er nahe daran ist, sich das Leben zu nehmen, in Zweifel über den Ausgang des Lebens geworfen ist, so liebt der Besitzer einer gesunden Seele die Tora und ihre Ausforschungen mit Herz und Seele. Eine Sache aus der Tora, selbst von den Feinheiten der Schriftgelehrten, ist ihm wertvoller als aller Besitz. Nur wenn der Grund der Seele erkrankt ist, kommt er dazu zu sagen, diese Kunde ist angenehm und diese ist nicht angenehm.
11. Das Lernen der Tora, in der Halacha, in der Aggada, in Auseinandersetzungen und in jeder Sache der Tora, führt das Licht, das im Leben des Israeltums 51 ist, in unsere Seelen ein und erweckt in ihrem Inneren die darin verborgenen lieblichen Erkenntnisse und guten Empfindungen. Diese erstrecken sich auf die spezifische Eigenart Israels so wie allgemeines Lernen in unserem Inneren die Erkenntnisse und Empfindungen des allgemeinen Menschen erwecken. Jedoch gibt die Tora uns ein Leben, das nicht nur nationales einzelnes Leben ist, sondern auch allgemeines Leben. Denn die beste menschliche Eigenart erreicht uns in bestaufbereiteter Form, wenn sie in israelitischer Prägung eingerichtet zu uns kommt. Und diese findet sich durch das Wachen über der Tora.
12. Das Wachen über der Tora beschreibt schön die israelitische Eigenart in der Seele und ihre besondere Form. Darin erfüllt sie die Nation mit Leben, wenn sich im allgemeinen viele Wachende in ihr finden. Jeder einzelne, der seinem Anteil entsprechend wirkt, baut selbst eine ganze Welt.
13. Es gibt eine innere Moral des Wachens über der Tora, die von der Liebe zur Nation und ihrer Ehre kommt: Wie wollte nicht ein Israelit die ganze geliebte und heilige Tora seiner Nation in allen ihren Einzelheiten kennen, soweit seine Hand in verläßlicher Liebe reicht. Dieser Weg ist ein Zugang, sich mit der Tora um ihrer selbst willen in ihrem erhabensten Verständnis zu beschäftigen.
14. Wenn die Seele einschätzt, wie sehr ein Mann Israels vor allem die Tora Israels kennen muß und wie sehr alles geistige Leben auf wirkliche Grundlagen im Leben der Öffentlichkeit und im Leben des einzelnen gegründet sein muß, erwacht ein großes Verlangen, die praktische Tora zu lernen, die die Wege des Lebens lehrt. Doch das geistige Verlangen kämpft für seine Stellung und läßt nicht zu, daß das praktische Verlangen eine unumschränkte Herrschaft in den Ordnungen des Lernens, den Lebenspfaden und dem Denken einnimmt. Aus dem Zusammenstoß von diesen beiden glühenden Verlangen kommt ein glänzendes Licht hervor, in sich einen verborgenen Reichtum enthaltend, geflochten aus beiden Kräften miteinander, der geistigen und der praktischen. Aus ihnen beiden erbauen sich verödete Seelen, und bereitet sich einewiges Volk, 52 das seine Jugend zu erneuern geht im Lande seine Pflanzstätte.
15. Durch Lernen der Feinheiten der Tora und der Feinheiten der Schriftgelehrten in den Einzelheiten der Einzelheiten wird ja immer mehr in einem Bündel zusammengefaßt in dem allgemeinen Ziel der Grundlegung der Religion und des Strebens nach Heiligem und der Erhabenheit darinnen. Aber wenn wirklich das glänzende Licht der Einzelheiten verundeutlicht wird, wird die praktische Welt insgesamt verwüstet. Darum muß eine Decke ausgebreitet sein. 53 Dann gibt sie Raum zur Klärung jeder Einzelheit in einer – hinsichtlich des allgemeinen Lichtes – finsteren Welt. Dies ist die Arbeit der Klärung durch Kenntnis und eine das Leben verbessernde Arbeit. Oberhalb der Decke strahlt das Licht in seiner gesamten Pracht und durch sie hindurch träufelt es Lichttau auf jede einzelne Heraushebung, bis die untere Welt von der oberen trinkt und sie immer mehr eins werden.
16. Vermehrung des Lernens verbindet die obere Heiligkeit mit dem Geist des Menschen, selbst wenn er nicht bis zu den Tiefen der Dinge herabsteigt. Manchmal wirkt es auf ihn selbst dann zum höchsten Guten, wenn er nicht den einfachen Sinn von dem was er lernte, kennt. Aber dürstet er nach dem Wort des JI-IWH, viel zu lernen, und stillt seinen Durst mit vermehrtem Studium, dann erhebt sich die Seele. Beim Lernen der Geheimnisse der Tora, selbst wenn er die Gegenstände nicht in ihren Einzelheiten versteht, und es ihm scheint, als ob er sich mit Vorstellungen beschäftigt, die seine Seele und sein geistiges Gespür quälen, das sich nach verständlichen Dingen sehnt, erscheint in jedem Falle nach dem Lernen das Licht über ihm, und für ihn gilt: “Jeder, der sich mit der Tora in der Nacht beschäftigt, über den zieht der Heilige- Er ist gesegnet- am Tag einen Faden von Gnade, wie es heißt: ,Tags entbietet JHWH seine Gnade und nachts ist sein Lied bei mir.’” 54

Kapitel VII
Schmerz der Vernachlässigung der Tora
1. Es gibt einige Umstände, die den Menschen von den Dingen der Tora abhalten, so daß diese nicht in sein Herz gelangen. Man muß immer wissen, was der Umstand ist, der einen zu dem betreffenden Zeitpunkt abhält, zu dem das Hindernis empfunden wird, damit man weiß, auf welche Weise der Umstand zu beseitigen ist, und damit man sein Herz öffnet, um sich gut mit den Dingen der Tora zu verbinden. Denn wenn man nicht den richtigen Umstand kennt, muß man sich viel plagen, einen anderen Umstand zu beseitigen, der in Wahrheit jetzt gar nicht das Hindernis ist. Der Umstand, der jetzt herrscht und der gegenwärtig von der Verbindung mit der Tora abhält, bleibt in Wirklichkeit bestehen. Dann bleibt der Mensch in seiner Verwirrung. Von solchen Umständen gibt es geistige und materielle, solche, die vom Mangel an heiliger Zurüstung kommen, und solche, die vom Mangel an weltlicher Zurüstung kommen.
2. Vernachlässigung der Tora wird jedem Menschen gemäß seiner Stufe angerechnet. Wer in seinem Denken zu einer hohen Stufe aufsteigen kann und es sich bequem macht oder sich fürchtet, und wer seinen höherem Aufstieg verwirft und sich selbst unten sein läßt, der verwirft die ihm zukommende Tora des JHWH. Darüber ist gesagt, daß der Heilige -Er ist gesegnet- Götzendienst, Entblößung und sogar Blutvergießen erläßt, aber das Verwerfen der Tora nicht erläßt. 55
3. Es kommt vor, daß die Zeiten, die ohne Tora verschwendet werden, dahin wirken, die Augen zu erleuchten, daß sie den Inhalt der Heiligkeit der Tora und die Tiefe des Lebens erkennen, mit denen die Tora auf diejenigen einwirkt, die sie lernen.
4. Die Verringerung der angenehmen Süße der Tora kommt vom Mangel an Seele in der israelitischen Natur, die eine Ausbesserung durch auf diesen Mangel gerichtete Umkehr braucht. Wenn man den Sinn darauf richtet, den Mangel auszubessern, strahlt das höchste Licht der heiligen Natur der Seele sofort wieder, und die Süße der Tora beginnt wieder offenbar zu werden.
5. Der innere Schmerz über mangelnde Vervollkommnung der Seele in Werken, in Kenntnissen und in Meinungen, insbesondere im Erwerb der Tora – die sind die überhandnehmenden Züchtigungen des Gehinnom. Diese kommen von der Abkehr des Gesichtes des Heiligen – Er ist gesegnet -, das nicht mehr beständig die Seele erleuchtet. 56 Dies vollzieht sich in demselben Mass, in dem sie es an ihrem geistigen Erwerb mangeln läßt. Denn die ganze Lebensquelle hängt vom geistigen Erwerb – das ist der Erwerb der Tora- ab.
6. Der Mangel an Tora ist das Gehinnom selbst. Der Strom des äußeren Willens, der gegen den inneren Willen ist, gehört zu den Bedrängnissen des Gehinnom, die in dem Ausmaß, in dem das Licht der Tora abgehalten wird, überhandnehmen.
7. Es kommt vor, daß jede Kenntnis, wenn sie dem Menschen in ihrer Unfertigkeit und ohne Vordringen zu ihren Einzelheiten begegnet, ihn verwirrt, ihn ängstigt, seinen Verstand durcheinanderbringt und in ihm leere und chaotische Vorstellungen erweckt. Aber sie wandeln sich zu vernünftigen Dingen, die den Sinn erweitern und die Seele erbauen durch bestes Bauwerk, entsprechend dem Wert der Vervollkommnung der Einzelheiten, die zur Kenntnis gelangen und entsprechend ihrer Klärung. Nur die Bereitung der Tora und der Weisheit kann die Seele vom zausenden und stürmenden Geist retten, dem die Unwissenheit sich anpaßt. Wie groß ist die Qual der Bedrängnisse des Gehinnom, die vom Mangel an Tora kommen! Und wie groß und wichtig ist das Zeugnis der Tora, der Moral, des Wissens und der Weisheit, um von den Bedrängnissen errettet zu werden, gemäß dem: “Ein starker Turm ist der Name des JHWH, zu ihm läuft der Gerechte und ist geschützt.“ 57
8. Es kommt vor, daß der Mensch den großen Schmerz über die Verringerung seiner Tora spürt, welcher von seiten der Vernachlässigung der Tora und der Einschränkung des Wissens kommt. Dieser verdüstert das geistige Licht der Tora, bis der Mensch sich die Bedrängnisse des Gehinnom vorstellen kann, die jeden ergreifen, dessen Hände von der Tora ablassen. Wegen des großen Bebens aufgrund dieser Vorstellung läßt seine Seele ihre Schlacken fahren, und wenn er durch seine Wachsamkeit für die praktische und geistige Tora zu erstarken beginnt, empfindet er die ganze Reinheit, die zu empfangen ihm zusteht, von der Lieblichkeit der Tora. Das Licht seines Verstandes kehrt zu ihm zurück und die Tiefe seiner Empfindung, die Ruhe seiner Seele und der Glanz seiner Phantasie, verbunden mit allen begehrenswerten Tugenden, die im Segen des JHWH mit dem Licht der Tora enthalten sind.

Kapitel VIII
Das Lernen und das Tun
1. “Wir wollen tun und hören.” 58 Das Vorangehen von “wir wollen tun” vor “wir wollen hören” bezeichnet die Wertschätzung der Tora, was ihre göttliche Eigenschaft anbetrifft, mehr als die ihr zustehende Wertschätzung, die der praktische Nutzen verlangt, der in ihrem Lernen liegt. Denn da bereits gesagt war “wir wollen tun”, war ja die Verbindung zum Wert des praktischen Lernens bereits enthalten, und “wir wollen hören” bezeichnet die Verbindung zum Wert dieses geeigneten Lernens.
2. “,Und ihr bewahrt’ – das ist die Mischna; ,und ihr tut’ – in des Wortes Bedeutung Wenn wir “Mischna” als die einfache Bezeichnung erklären, die nicht beabsichtigt, zur Tat zu führen, “und Tannaiten die Welt verderben, da sie Halacha aus ihrer Mischna 60 lehren” 61 , dann würde es heißen: “und ihr tut” – daß ihr Halacha zum Tun lernt. Aber nach den Worten von Rabbenu Channanel, im Traktat Baba Metsia 62, schließt die Mischna bereits eine abschließende Klärung der Halacha für ein der Folgerung entsprechendes Tun ein. Damit ist in der Mischna bereits das Lernen für das Tun einge-schlossen. Daher muß es heißen: “,und ihr tut’ in des Wortes Bedeutung”. Gemeint ist das Tun selbst.
3. Der tiefe Geist des Heiligen des Judentums, der das praktische Leben dem edlen Leben wirklich anzugleichen strebt, der ist die seelische Kraft, die die Halachot und ihre Feinheiten befruchtet. Er ist es, der den Wirkstoff zu der Auseinandersetzung gibt, die seine Grenzen in den praktischen Kreisen der Ereignisse und der Abhandlungen erweitert.
4. Alle geistigen Kenntnisse in der Tora sind eine Art bezeichnete Bereiche, zu denen man durch Bemühungen mit hinführenden Mitteln gelangt, den angemessenen Vorbereitungen entsprechend. Wer zu ihnen ohne Beachtung der grundlegenden Vorbereitungen kommen will, handelt sich statt Worten der Wahrheit Phantasiegebilde ein. “Ein Fauler steckt seine Hand in die Schüssel und führt sie nicht zum Munde.” 63
5. Nicht im schließlichen Erreichen der geistigen Vollkommenheit selbst liegt die Hauptsache des darin enthaltenen Wunders, sondern in der Weise der Kontaktnahme zu ihr, um sie auf bestimmten und angemessenen Wegen zu erreichen. Darum muß der Mensch für sich selbst wählen, welche die Wege sind, auf denen er gerade seine inneren Vorstellungen auf eine gute Stufe stellen kann. Diese Wege sind die Ursache, daß sich alle seine Werke, Bestrebungen und Empfindungen erheben- und an ihnen halte er fest. Das gilt auch für das Lernen der Tora, dessen allgemeine Notwendigkeit der des Brotes für den Körper gleicht. Besonders das Lernen ihrer theoretischen Seite, welche die Hauptsache ist, erhebt die Seele. Es ist jedoch vollends unmöglich, in der Breite der Schriftlichen und der Mündlichen Tora belehrt zu sein, da doch in deren theoretischer Seite die Hauptsache beim Lernen liegt. Denn gerade die Achtsamkeit auf die Mittel, die vorgeblich niedriger als das Ziel selbst sind, erfordert größeren Einfluß als die Achtsamkeit auf die Dinge des Zieles. Denn von Natur strebt die Seele mehr nach dem Ziel als nach den Mitteln. Auch die Phantasie ist nicht über den Wert des Zieles der Vollkommenheit selbst gespalten, sondern über die Mittel. Dies verhält sich so aufgrund ihrer mangelnden Fassungskraft und ihrer schadhaften Mutmaßung, daß es möglich sei, das Ziel auch ohne die Mittel zu erlangen. Nur die höchste, klarste und verständigste Weisung wird gebraucht, um die Notwendigkeit der Mittel und die zunehmende Steigerung ihres Wertes richtigzustellen. Darum gilt von Gegenständen moralischer Zurechtweisung und umfassender Wegweisung, daß sie grundlegende und abschließende Dinge sind, die Raum hatten, auch durch alle Propheten offenbart zu werden. Die praktischen Dinge in der Tora jedoch, die den Wert von Mitteln haben und auf das Ziel hin zurüsten, müssen gerade durch die Prophetie des Mose – Friede auf ihm -, des Herrn der Propheten, offenbart werden. Ein Beispiel dafür ist die Wirklichkeit der kommenden Welt, die nur in Andeutungen erwähnt wird, weil dies für die Stärkung ihres qualitativen Wertes genügt. Wenn sie weiter ausgebreitet worden wäre, wäre die Kraft der ihr gewidmeten Bestrebungen vermehrt worden und hätte überhandgenommen, bis kein Raum mehr für andere Vorstellungen gewesen wäre. Denn alle diese Vorstellungen sind dem Menschen wirklich nützlich und erheben ihn, wie das Gelingen des Allgemeinen und des Einzelnen, sogar in der Gegenwart, und wie die Liebe des JHWH selbst, die alles übersteigt, mit allen einzelnen Wechseln der Quellen, aus denen die Grundlage der Liebe gezogen wird. Nur danach, wenn die Wahrnehmung ins Wanken gerät bis zur Verderbnis der Abweichler, die sagen, daß keine Welt ist, als nur eine, wird die Berichtigung “von der Welt (bis) zu der Welt” 64 gebraucht, um auf den richtigen Standpunkt zurückzuführen. Ebenso ist es bei der tatsächlichen Forderung nach dem theoretischen Lernen und seinem Vorzug mit der Rücksichtnahme auf das Verhältnis und den Wert des Studiums der praktischen Dinge. Diese Rücksicht erfordert besondere Weiterarbeit an den praktischen Dingen mit Offenbarwerdung der Wesentlichkeil bei ihrem Erlernen und Tun. Demgegenüber hat die theoretische Grundlage, mit der das allgemeine innere Bewußtsein ausrüstet, bei geringer Menge große Kraft für ihre qualitative Weiterarbeit Gerade dadurch wird die Tora in Israel, wie es sich gehört, bestehen und in ihrem großen Licht leuchten
6. Beim Lernen gibt es zwei Arten. Es gibt eine Sache, deren Lernen einen großen Wert hat, weil ihr Thema sehr wichtig ist, wie die Betrachtung der Gottheit, der Seele, des Verstandes und dergleichen erhabene Gegenstände. Und es gibt eine Art des Lernens, dessen Thema von sich aus keinen ehrenvollen Wert hat, doch auf alle Fälle wichtig ist, weil es nützt hinsichtlich des Tuns und des Zieles, das von ihm ausgeht. Und es gibt noch eine dritte Seite, von der aus es angebracht ist, alles mögliche von dem, was sich vorfindet, sei es Wesentliches, sei es Beiläufiges, in das System der Kenntnis zu bringen. So erweitern wir unser Verständnis dadurch, daß wir in jeder Hinsicht Kenntnis und vernunftmäßige Vorstellung hinzufügen. Darum gibt es manchmal Dinge, die keinen bedeutenden Wert, was sie selbst angeht, haben, doch es jedenfalls wert sind, daß man sie kennt, wegen des Nutzens des Verstandesgebrauchs und seiner Erweiterung durch Vollkommenheit der Kenntnis. Jedoch sind diese Gegenstände nicht gegeneinander auszutauschen. Bei den Teilen des Lernens der Tora gibt es ebenso Dinge, deren Studium an und für sich eine große Hauptsache ist. Auch gibt es Dinge, deren Untersuchung noch bedeutender ist als der Wert des Tuns: wegen der Arbeit des Betrachtens selbst. Hat doch jede Sache der Tora, selbst eine leichte Feinheit und richtiges Verhalten, einen bedeutenden Wert. Bei leichten Halachot wie bei Gegenständen des natürlichen moralischen Verhaltens und dergleichen ist jedenfalls zu sagen, daß ihr Studium mit noch größerer Bedeutung gewertet wird als das Tun. Auf keinen Fall ist es in seinem Wert niedriger eingestuft als das Lernen einer Sache, die überhaupt nicht das Tun berührt, und dessen Thema auch nur wegen der Bedeutung der Beschäftigung mit der Erkenntnis der Wahrheit und ihrer Klärung selbst wichtig ist. Wie sich beim weltlichen Lernen der historischen Einzelheiten und der Kenntnisse der Sprachen, auch der alten, und dergleichen findet, daß jedes Lernen überhaupt nützt und auch alle seine Einzelheiten Vervollständigung und Ergänzung für die Herrlichkeit des Verstandes sind, so urteilst du erst recht über jede Einzelheit unserer ganzen Tora, wie wertvoll und geliebt sie sein muß.

Kapitel IX
Wege der Tora und ihre Pfade
1. Jeder einzelne muß sich mit seinem Geschäft beschäftigen65, für das er gerüstet ist. Das gilt insbesondere für die Angelegenheiten des Lernens, obwohl es manchmal durch Umstände für jemanden schwierig sein könnte, an dem festzuhalten, was sein Herz wünscht. Er muß auf jeden Fall mutig sein und darf das nicht verlassen, was seinen Geist besonders befähigt.
2. Dem praktischen Lernen hängt ein verborgener Lebenstau von Strebungen an, die in dieser Handlung liegen. Die Seele wird von diesem verborgenen Glanz in ihrem Lernen genährt. Wenn jedoch das Lernen nicht z um Selbstzweck, sondern zum Hochmut und Gemecker stattfindet, entleert sich das Denken und bleiben die Dinge trocken. Manchmal füllen sie sich mit innerem Gift. Aber in das unentwickelte rohe Denken, obwohl es nur Aufträge, die Menschen lehren, zur Grundlage hat, ergießt sich eine gewisse Feuchte des Lebens hinein. Diese wird in ihm in einem Maße immer weiter bewahrt, daß das Lernen selbst nicht weggebogen wird vom Suchen nach Wahrheit und der Geradheit auf seinem Wege. Die Verkrümmung des Verstandes jedoch zieht all diese Fallen des Herzens und der seelischen Austrocknung zusammen mit der Verursachung des Anhaftens von moralischem Gift nach sich, wie etwa das Ausmaß verkehrten Denkens über das Ziel des Lernens. Aber manchmal kehrt das Denken zum Guten zurück, wenn die moralische Liebe von der Heiligkeit des Studiums die auf das Empfinden wirkende Kraft ist, die sich nur wegen der Kürze der verstandesmäßigen Klärung mit verkrümmten Wegen begnügt; am Ende werden derartige Krümmungen jedenfalls in ihrer moralischen Bedeutung begradigt.
3. Die Gelehrten 66, deren Tora ihr Handwerk ist, müssen sich bemühen, daß ihr Weg vor ihnen bereitet sei. Ihr Ziel muß ihnen klar sein, damit ihr Geist mutig und ihr Sinn ruhig, genehm und reif sei. Wahrhaft sehr groß ist diese erhabene Regel: “Du mußt das Werk nicht vollenden und bist nicht frei, davon zu lassen.” 67 Wenn dem so ist, besteht wegen der Vorstellung einer Bestärkung im Dienst der Tora durch einen allgemeinen Überblick über ihre Kenntnisse keine so große Not. Ja, dies dient dazu, dem Herzen Ruhe zu geben, damit es sich mit jedem einzelnen Gegenstand mit sicherem und ruhigem Geist beschäftige, den kein anderer Gegenstand oder eine allgemeine Sorge um die – unmögliche – Vollendung der Kenntnis darin beeinträchtigt, an seiner Detailarbeit Gefallen zu finden. Aber man muß sich selbst unbedingt solcherart einen Weg bahnen, daß einem der allgemeine Überblick durchsichtig wird. Auch bei. den Kenntnissen muß man für sich sein Ziel und die Strebung seines Wollens in der Arbeit seines Studiums klären. Auf der praktischen Seite muß man danach streben, umfassend zu sein und die allgemeine Summe des praktischen Lernens selbst der ganzen praktischen Tora einzubeziehen, so weit es einem möglich ist. Was man üblicherweise sagt, dass die Tora kein Ende in bezug auf die enthaltenen praktischen Gegenstände hat, das wird nur durch bestimmte Tanna’im gesagt. In Wahrheit aber wäre es dem Menschen möglich, einen klaren Überblick von der ganzen praktischen Seite der Tora zu erfassen, wenn er auf geradem Wege ginge. Die Großen müssen nicht darüber aufgeklärt werden, die Mittelmäßigen jedoch müssen sich helfen lassen. Nachdem sie zu dem betreffenden Maß eines guten Verständnisses in der Tiefe der Halacha, in der Kenntnis der Form der Überlieferung auf geradem und richtigem Wege durch Benutzung der Gelehrten in anständigem Maße gekommen sind, bis man jede Abhandlung angemessen beobachten kann und gleichfalls nach der Weise der Tora in der Verhandlung der Halacha problematisieren und auflösen kann. Dann muß der Anfang des Bemühens sein, zuerst alle Halachot des Alfasi68 nach ihrer einfachen Bedeutung in gehöriger Erfahrung zu umfassen. Dies zu erreichen wird durch geduldige Regelmäßigkeit sehr erleichtert. Diese Arbeit ist, was sie selbst angeht, sehr angenehm. Sie ist ebenso angenehm, was die erfreuliche Vorstellung angeht, die dem Ziel des allgemeinen Überblickes nahe ist, nämlich die allgemeine Summe aller Halachot zu erkennen, entsprechend der größten Annäherung an ihre Quelle in den Sechs Ordnungen69, was einschließt, daß sich bloß durch die Zusammenziehung aller Einzelheiten die große Schönheit des ausgestalteten Gebäudes der ganzen praktischen Tora vor seinen Augen darstellt.
Wenn man diesen Weg jeden Tag beständig geht, wird man damit Lektionen zum allgemeinen Überblick in der Schriftlichen Tora verbinden und Tag für Tag gehörige Zeiten zum Erwerb der Kenntnisse der Aggadot, der Midraschim, der ethischen Bücher, der Forschung und der Überlieferung 70 – bei Einhaltung der Stufen – aufwenden. Es bleibt Zeit für selbständiges Nachdenken, zur Erweiterung des guten Gespüres und Tag um Tag regelmäßige Lektion zum Textstudium ebenso wie verstreute Zeiten zur ausführlichen Klärung der Tiefe einer Halacha und Auseinandersetzungen um verstreute Gegenstände, um das Wissen zu erweitem und sich in Beobachtungen zu vertiefen, was für jeden Erforscher der Tora sehr wichtig ist.
Sobald man sich umfassende Erfahrung in den Halachot des Alfasi 71 angeeignet hat, entsteht ohnehin im Inneren das Begehren, die Halachot vollkommen zu kennen. Man beschäftigt sich vermehrt mit dem Talmud, dem Baby Ionischen und dem Jerusalemer, mit den Toseftot und allen Worten unserer Weisen- ihr Andenken zum Segen- aus dem inneren Bewusstsein der Notwendigkeit der Erweiterung und der Erläuterung. Die Hauptbeschäftigung wird stets im Durchnehmen der Grundlagen der Halachot und der Hauptpunkte der Tora bestehen, bis die Vervollkommnung der Kenntnis in allen Fächern und Einzelheiten auch so das Wissen in allen übrigen für einen Menschen erforderlichen Gegenständen vervollkommnet haben wird. Und man wird seinen Rat und seine Findigkeit genießen.
Wenn man auf diese Weise vorgeht, kann man sich auch Zeiten zum Erwerb von den für den Menschen in der Welt nützlichen Weisheiten und Kenntnissen bestimmen, die den Kreis seines Wissens erweitern und ihm Mut für die Bedürfnisse des Lebens geben. Er wird von den Geschöpfen angenommen 72 und Anmut finden in den Augen von Gott und Mensch 73.
4. In dem Maße, in dem die Halachot geklärt sind, erfreuen sie das Herz74 derer, die sie tun und die sie zum Leuchten bringen. Der Mangel an Klärung, sogar bei klarer Kenntnis und Verbundenheit mit der Seele, führt zur Empfindung einer Erschwerung der genauen Erfüllung der Tora in den Einzelheiten der Halachot. Dadurch kann eine schwächende Furcht erwachen, die eine Verwerfung der Tora- fern sei es – verursacht. Jedoch einen Menschen mit weitergehender Erkenntnis stört die weitgehende Genauigkeit überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Genauigkeit erzeugt Vollkommenheit, wie die Genauigkeit der Grammatik eingerichtet ist, um die Sprecher der Sprache zu vervollkommnen.
Entsprechend dem hohen Wert des Begriffes und der Reinheit der inneren Grundlage der Tora der Wahrheit ist die starke Verfeinerung in den Einzelheiten der Geschehen, die sich von den Wurzeln dieser Grundlage aus verzweigen, so vielfach und erweitert, daß sie für den Verständigen und Empfindsamen alle in einer einzigen weitgreifenden Erkundung erfaßt sind. Wenn ihm die praktische Genauigkeit mangelt, dann wird die strahlende Form der Höhe des Wertes der göttlichen Tora und die Erhabenheit ihrer Gesetze und Rechtssätze und der teuere Wert ihres Zieles verwischt. Der daraus erwachsende Schaden für jede Erhebung der Seele des gesamten Judentums, für den Menschen im allgemeinen und Israel im besonderen, ist unermeßlich. Darum ist es die größte Schuldigkeit 75, sich mit der Tora um ihrer selbst willen zu beschäftigen, mit der Klärung von Halacha, daß sie wie ein Kleid blank gebleicht sei.
Das Lernen der Genauigkeiten in ihrer Ausdehnung geschehe aus dem höchsten Vergnügen und der Freude des Einsichtigen. Dies ist eine würdige Bedingung für die Beschäftigung mit der Tora als Selbstzweck und eines von den 48 Dingen, durch die die Tora erworben wird: 76 “In reiner Freude”, die sich wahrhaftig auf die innere Wissenschaft der klaren Wahrnehmung gründet.
5. Wie bei allen Geschöpfen der sinnlichen Welt, die sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen, manche davon durch natürliche Zusammensetzung und manche durch künstliche Zusammensetzung, so gibt es bei allen Begriffen des Verstandes und bei allen geistigen Wirklichkeiten, die an Wirklichkeit stärker sind als die Begriffe des Sinnlichen, natürliche Bestandteile und verstandesmäßige Bestandteile. Die Kraft der Schöpfung soll Dauer gewinnen, unaufhörlich erstarken und Leben und Wirklichkeit vermehren zum Guten. Darum wird sehr gelobt, wer Dinge gemäß der Tora in all ihren Weisen erneuert, und dem Weg des JHWH wird nur entsprechen, was mit der Geradheit des Verstandes und der guten Moral zusammenpaßt Denn die Verallgemeinerung all dessen ist die wahre Furcht des JHWH, die der Anfang des Wissens ist. 77
Man muß verstehen, daß die Väter hinsichtlich des Wertes der göttlichen Kraft, die in ihnen ist, bei allen Generationen sind, wie eine Schöpfung mit Gliedern, die entsprechend der Vermehrung ihrer Einzelheiten an Stärke und Vollkommenheit gewinnt und dabei nach Möglichkeit die Werte der einzelnen Stufen bewahrt. Dies verhält sich so, damit, wenn ein Mensch die Fähigkeit besitzt, sich seines Verstandes bei der Erneuerung von erhabeneren und nützlicheren Gegensätzen zu bedienen,78 ihn nichts zu kleineren Dingen herabbringe. Obwohl auch jedes kleine Ding, das nützlich ist, die Welt beruhigt. Das ist doch viel besser als jedes Geschwätz der Welt und “ihm alle Güter nicht zu vergleichen sind”79.
Es kommt vor, daß gegen die Freiheit des Verstandes, umfassend zu erneuern, die Widerstandskraft der Furcht vor Nichtigem erwacht, deren Quelle und Aufgabe es ist, den Stand der guten und geraden Grundlage auf dem Weg des Erneuerns zu bewahren.
Aber man muß sie besiegen und sich in die Weite begeben. Da der Mensch ja auf die Grundlage des Guten festgelegt ist, forsche jeder, der findet, “und er vergrößert Tora und verherrlicht”so. Ebenso muß man in allen Emeuerungen der Welt angemessen erweitern und emeuern, in natürlichen und künstlichen Dingen, “den alles wirkte JHWH um seinetwillen” 81. Man muß die Geschöpfe lieben und ihren Bestand und ihre Verbesserung wollen. Diese Einstellung führt zur Liebe des Herrn – Er ist gesegnet.
6. Es gibt solche, die eine böse Entwicklung genommen haben, weil sie auf dem Wege ihres Lernens und ihrer geistigen Vervollkommnung ihrer persönlichen spezifischen Eigenschaft untreu geworden sind. Ist doch der eine befähigt für aggadische Dinge, und es entspricht nicht seiner Eigenschaft, beständig mit Gegenständen der Halacha befaßt zu sein. Aber weil er seine spezifische Fähigkeit nicht einzuschätzen vermag, vertieft er sich in Gegenstände der Halacha, wie es der gewöhnliche Brauch ist, und fühlt in seiner Seele einen Widerstand gegen die Gegenstände, mit denen er sich beschäftigt, weil die Vertiefung darin nicht der Natur seiner eigenen Fähigkeit entspricht.
Aber wenn er seine Aufgabe fände und sie erfüllte, sich beständig mit demjenigen Fach in der Tora zu beschäftigen, das zur Eigenschaft seiner Seele paßt, dann würde er sofort erkennen, daß die Empfindung des Widerstandes, die ihn bei seiner Beschäftigung mit Gegenständen der Halacha ankam, nicht von irgendeinem Mangel an diesen heiligen und notwendigen Studien selbst kommt, sondern weil seine Seele ein anderes Fach zur Beständigkeit in der Tora verlangt. Nur dann würde er der Heiligkeit der Tora in höchster Weise treu bleiben und er würde in dem Fach der Tora Gewinn erzielen, das zu ihm gehört. Damit würde er auch denen helfen, die in der Halacha stark sind, und ihnen von der Lieblichkeit der Aggada zu schmecken geben. Weil er jedoch den Grund seines widerstrebenden Empfindens beim Lernen nicht kennt und er gegen seine Natur ankämpft, bricht er aus, sobald sich vor ihm Wege der Gesetzlosigkeit öffnen, wird zum Feind und Widerpart von Tora und Glauben und geht von einem Mißerfolg zum anderen. Davon kamen die Menschen unseres Volkes, 82 die ausbrechen und sich aufwerfen, Ideale aufzustellen und Sand in die Augen der Welt zu streuen. – Bei der Einteilung der verschiedenen Fächer in den Ordnungen des Lernens entsprechend den verschiedenen persönlichen Eigenschaften gibt es den, dessen Neigung zu besonderen Weisheiten stark ist, der auch seiner inneren Neigung nachgehen und sich Zeiten für die Tora festlegen muß. Dieser und jener hingegen bringt sich selbst voran, denn “gut ist das Studium der Tora gemeinsam mit der natürlichen Moral”83 Bereits die Tosafot Jeschanim 84 am Ende der Yoma 85 begnügen sich damit, was Hauptsache und was Nebensache sei, und in der Regel hängt die Sache an der Eigenschaft und Seelennatur eines jeden einzelnen.
7. Obwohl die ganze Welt und alle Gedanken und Empfindungen bei den Geradherzigen, die sich mit der Angenehmheit des JHWH vergnügen und seinen Tempel ständig besuchen86, mit dem Licht des JHWH und der Heiligkeit des höchsten Lebens gefüllt sind, ist die Quelle des grundlegenden Lichtes ja auf jeden Fall in der Tora verborgen. Und “wenn jemand unterwegs ist und lernt und sein Lernen unterbricht, und sagt ,wie angenehm ist dieser Baum und wie angenehm dieser Acker’, spricht die Schrift über ihn, als hätte er sein Leben verwirkt.” 87 Auch wenn er sein Leben nicht wirklich verwirkt hat, weil er bereits auf die Stufe der göttlichen Schauung gestiegen ist, so spricht doch die Schrift über ihn, als hätte er sein Leben verwirkt. Denn am letzten Ende strahlt von der ganzen Welt Lebenslicht, von der Tora aber strömt ein Überfluß von Lebens­ licht. Und man verläßt keine gewichtigere ursprüngliche Heiligkeit und ergreift statt ihrer eine abgeleitete leichtere Heiligkeit.
8. Es kommt vor, daß die Seele, wenn sie zu großen Bestrebungen geistiger Betrach­tungen ertüchtigt ist, sich schmerzlich plagt, wenn sie sich mit Einzelheiten der Hala­chot beschäftigt. Die Seele fühlt dann ihre Bedrängnisse, von denen sie eingeschlossen ist. Aber ihre Heilung kommt nicht durch ihr Ablassen der praktischen Tora, sondern von der Bereitung ihres Geistes, den Wert jeder kleinen Einzelheit der praktischen Din­ge zum Reichtum seines umfassenden und allgemeinen geistigen Ursprungs zu erhe­ben. Diese Erhebung geschieht manchmal durch ein Aufblitzen des guten Verstandes und manchmal durch ein tiefes inneres Empfinden, das sich von den oberen Ausstrah­lungen der Erkenntnis des JHWH weiter verzweigt. Manchmal fügen sich die beiden Kräfte zusammen, das Aufblitzen des Verstandes und das Licht der Empfindung, um auf das Einfließen der praktischen Einzelheit Einfluß zu nehmen, bis sie sich mit fri­schem Vergnügen füllen, so daß die Seele bei der Beschäftigung mit ihnen nicht gelang­ weilt wird, sondern sich streckt und sich erfreut. Das Gelingen dieser Erhebung ist an den moralischen Zustand der Seele und an ihre geistige Verbindung gebunden, die durch die beständige Beschäftigung mit den hellen und uneingeschränkten Tiefen der Geistig­keit zustande kommt.
9. Manchmal, wenn man kleine Dinge, deren Eindruck auf die Seele wirkt, als wäre diese kleine Sache das höchste der hohen Dinge, mit derart vermehrtem Entzücken lernt, wird der Sinn vergröbert und die Flügel des Geistes werden gestutzt. Die geradlinige Anleitung heißt, jeden Gegenstand mit freudigem Entzücken zu lernen, wobei es ein zweifaches Empfinden gibt: Empfindung von höchster Größe, da ja jeder kleine geistige Zweig den Baum des Lebens insgesamt vervollständigt und daher alles groß ist; und eine zweite Empfindung, daß in den einzelnen Gehalten jeder Erkenntnis, und speziell einer Erkenntnis der Tora, ein sehr postiver Wert liegt, der mit freudiger Ehre, entsprechend seinem Maß, angemessen zu würdigen ist. Und das Feuer von oben und das Feuer von unten vereinigen sich miteinander, um die Seele zu erleuchten und zu erwärmen.
10. Wenn mit der Auseindersetzung der Wunsch, sich selbst an der Auseinandersetzung der Tora zu erfreuen, vermischt wird, heißt das nicht “Tora nicht zum Selbstzweck” – behüte. Denn die Freude selbst und das Abwenden der Traurigkeit ist auch eine große Pflicht. Sie gehört zur Verbesserung der Tugenden, die eine Eigentümlichkeit der Tora ist.
11. Es kommt vor, daß sich die fernen Zweige, der Auseinandersetzung folgend, von dem Gedanken der Tora zum Selbstzweck entfernen, bei jedem einzelnen entsprechend der Stufe seiner Wahrnehmung von der Geistigkeit der Tora. Daher muß derjenige, der an der Tora als Selbstzweck festhalten will und diese Auseinandersetzungen in der
Feinheit der praktischen Gegenstände auf die Spitze treiben will, sein heiliges Empfinden vom Wert der Tora und der allgemeinen Heiligkeit vertiefen, bis das allgemeine Empfinden zu einer großen und mächtigen Gewalt wird und bis sie Kraft in die sehr fernen Zweige gibt, die sich durch den Fleiß des Denkens erzeugen und die sich von dem heiligen Gedanken der Tora zum Selbstzweck aus fortsetzen.
12. Von der Regel, daß man nur im Garten spazierengehe, wenn man seinen Magen mit Fleisch und Wein gefüllt hat, 88 muß gesagt werden, daß es um jemanden geht, der nur nach der Schuldigkeit der Tora in rechtlicher Hinsicht zu handeln gedenkt. Wer aber in seinem Herzen Lust und Sehnsucht empfindet, die inneren Dinge zu lemen und Seine Wahrheit -Er sei gesegnet -zu verstehen, für den gilt die Regel: “Stets lerne der Mensch Tora an einem Ort, der seinem Herzen gefällt. “89 Sie gilt, weil anzunehmen ist, daß er dazu gewiß eine besondere Fähigkeit hat, und davon selbst bewiesen ist, daß dies der Wille des Heiligen – Er ist gesegnet – ist, daß er sich beschäftige mit der Erkenntnis Seines Namens – Er sei gesegnet. Alle übrigen Gegenstände, die die Erkenntnis Seines Namens -Er sei gesegnet- betreffen, folgen der Notwendigkeit der Verankerung der Furcht, 90 und folgen dem, was der Mensch in sich als Verankerung der Furcht fühlt, weil ihn bereits der Herr – Er sei gesegnet – mit Wissen und Einsicht begnadet hat, und er gut versteht, daß diese in ihm die Furcht verankert haben, und ohne jene diese ihm fehlen würde. Gewiß sind jene selbst für ihn das Fleisch und Brot.
Doch dies ist nicht Bestandteil der Regel vom Spaziergang im Garten, sondern nur, was die Notwendigkeit der Verankerung der Furcht übersteigt. Wer also seinen Verstand und seine Neigung spürt, JHWH wahrhaft zu kennen, sei sehr stark auf seinem Wege und wisse, daß er verstehen und Erfolg haben wird. Er sehe darauf, regelmäßige Zeiten festzulegen, um durch passende Betrachtungen die einfachen Deutungen der Tora und ihre Halachot zu erkennen. Er sehe darauf, daß die Hauptsache seines Lernens sei: sich in tiefer Herzensfreude und Dauerhaftigkeit dem, was die Seele erstrebt, der Erkenntnis Seines Namens – Er sei gesegnet – anzuschließen. Er wisse, daß ihm das zukommt. Wenn er sieht, daß die Mehrheit der Lernenden sich nicht so verhält, wisse er, daß es ihnen wahrhaftig angemessen wäre, daß sie das Heilige nicht erstürmen, bevor sie stufenweise hineingehen. Dazu gehört nicht Überhebung und Selbstherrlichkeit, sondern Seelenadel in verschiedener Hinsicht.
Es ist zu sagen, daß es dem, dessen Verstand gemäß seiner Natur ausgerechnet fordert, daß die heiligen göttlichen Gegenstände bei ihm geordnet und bewahrt 91 seien und daß er durch sie Einsicht gewinne, unmöglich sein wird, ständig nur durch Erkenntnis Seines Namens und durch eigenes Verstehen Seiner – Er ist gesegnet – zu gedenken. Denn immer, wenn die entsprechend benötigte Speise mangelt, wird ja die Schwächung empfunden. Obwohl derjenige, der seine Speise nicht so sehr braucht, selbst bei wenig Speise gesund wäre. Jedenfalls ist nicht von einer Person auf die andere zu schließen. Darum, wen sein Herz dahin bringt, die erhabenen Gegenstände zu betrachten, der erschrecke nicht und wisse, daß dies seine Schuldigkeit ist, aber der von allen genommene Weg nicht vollständig zu vernachlässigen ist. Doch wisse er, daß es ihm überhaupt unmöglich wohl sein kann ohne einzelne Betrachtung dessen, was seine Seele von ihm fordert. Dann wird er Einsicht und Erfolg haben und wird ein Diener des JHWH in Freude und gutem Herzen sein.
13. Entsprechend dem Weg der geistigen Quellen in der Ordnung des Lernens der Halachot hat man sich nicht mit den Angelegenheiten der Abhandlungen zu beschäftigen, sondern mit klarer Halacha. Darum wird darüber ausführlich im Vorwort zu Chovot HaLevavot 92 gelehrt. Denn der Weg der frühen Meister war, ihre Zeit für viel zu wertvoll zu halten, um sich darin mit Einzelheiten der praktischen Anfragen zu beschäftigen.
Aber sie lernten die Dinge der Überlieferung und machten im allgemeinen den Dienst und die Reinheit der Tugenden und Ansichten zur Hauptsache ihrer Betrachtungen. Und wenn es für sie erforderlich war, einen zweifelhaften praktischen Gegenstand zu klären, klärten sie ihn mit der entschiedensten Kürze gemäß den Grundlagen, die ihnen zur Hand waren. Wenn die Sache nach hier und dort neigte, entschieden sie nach der Mehrheit der Meinungen. Ebenso Maimonides93, der seinem Schüler in seinem Brief auftrug, wenn er eine Sitzung festsetze, solle er sich mit seinem Werk Mischne Tora 94 und dem Werk des Alfasi befassen, und nur, wenn ihnen ein Zweifel käme, sollten sie nach dem Talmud entscheiden. Sie mußten sich überhaupt nicht darum sorgen, daß sie nicht eine Sache nach der anderen lernen könnten, denn die Begradigung des Verstandes, die von der höchsten Bildung kommt, die aus der Quelle der Furcht des JHWH strahlt, begradigt das Denken noch mehr als die Beschäftigung mit den Einzelheiten der Angelegenheiten. Aber diejenigen, die nicht zu diesem Maß kommen, ihren Verstand an den höchsten Betrachtungen zu begradigen, die müssen sich mehr mit den Einzelheiten der Angelegenheiten beschäftigen, damit sie beim Lernen eine Sache nach der anderen beurteilen können. Ebenso muß das jeder Mensch in der Zeit seiner Kindheit. Aber alte Gelehrte, die ihre Mühe auf die höchste Bildung der Läuterung der Meinungen und der Tugenden richten wollen, die müssen Helden im Lernen der Halachot an den klarsten Quellen sein und sich nicht so sehr mit einzelnen Feinheiten beschäftigen, da ihre große Seele dann einen starken Schmerz vom Leid der Verkleinerung ihrer Lichter spürt. Es ist klar, daß sie mit der Erfahrung und der ständigen Wiederholung von Dingen der einfachen Halachot, und manchmal ebenso der Betrachtung von Halacha auf eine hohe Stufe in der richtigen Betrachtung der Halacha aufsteigen, die nötig ist, damit sich bei ihnen die Ordnung der halachischen Verhandlung durch das innere Studium und die Geradheit des Denkens im göttlichen Verstehen nicht verwischt, bis daß sie ständig gewürdigt werden, klare Halacha zu bestimmen. Auf jeden Fall gelte eine Halacha nach ihnen, denn JHWH ist mit ihnen. 95

Kapitel X
Zu den Verborgenheiten der Tora und ihren Geheimnissen
1. Wann ist es gut, die Verborgenheiten der Tora zu lernen? Wenn das innere Verlangen nach der Nähe des JHWH stark ist, sich erhebt und überhandnimmt, bis daß es der Seele keine Ruhe mehr gibt und sie ihren Wunsch mit keinem geistigen und heiligen Inhalt in der Welt sättigen kann, außer mit dem inneren Sinnen, das von den Geheimnissen der Welt spricht. Dies ist die Eigenschaft für die Beschäftigung mit der Tora um ihrer selbst willen, über die wir lehrten: “Und jeder, der sich mit der Tora beschäftigt, der erhebt sich ja.“ 96
2. Nicht zu jeder Zeit ist der Mensch für höchste geistige Erscheinungen geeignet. Die meisten Zeiten, zu denen keine höchste Erleuchtung stattfindet, werden geeigneterweise dem Lernen des Offenbaren in den Elementen der Tora und dem praktischen Dienst gewidmet. Aber wenn das Licht der Seele ausbricht, muß man ihm sofort seine Freiheit geben, daß es sich weiter ausbreite. Der Mensch zeichne sich vor, stelle sich vor, bilde sich und strecke sich, strebe und sehne sich zu den Höhen der Höhen, zur Quelle seiner Wurzel, zum Leben seiner Seele, zum Licht des Lebens der Seele aller Welten, zum Licht des höchsten Gottes, zu seiner Güte und Pracht.
3. So wie es einerseits vollkommen feststeht, daß ein Mensch, wenn er sieht, daß sein Erfolg in der Geistigkeit der Tora liegt und in der wahrhaftigen Weisheit, und ihm die halachische Betrachtung schwerfällt, so ist es andererseits seine innere Schuldigkeit, den wesentlicheren Teil seiner Zeit zur Betrachtung dessen festzusetzen, was zu seinem Geist paßt. Ebenso gilt, wenn ein Mensch sieht, daß sein Lernen der Verborgenheiten der Tora ihn heiligt, seinen Geist erhebt und ihn der Heiligkeit in der Empfindung des Herzens und des inneren Verstandes nahebringt und er vom Lernen des Offenbaren nicht diese begehrenswerte Frucht sieht, und mehr noch, daß er es nicht schafft, die Grobheit der Neigungen wegzutreiben, die er in seinem Geiste spürt, dann ist das ein sicheres Zeichen, daß seine religiöse Vervollkommnung im Lemen dieses Teiles vom inneren Licht der Tora der wahren Weisheit besteht. Und wenn er in seinem Inneren ein derartiges Säubern und Reinigen empfindet, bis auch das Lemen des Offenbaren ihn in der Stufe der Heiligkeit unterstützt, kann er sein Gebiet weiter vergrößern, bis er seine Aufgabe gut erfüllt, und er kehrt wieder zurück, sich wieder mit dem Lernen der höchsten Geheimnisse zu vergnügen, “sich satt zu essen und gediegen zu kleiden” 97 – und das Ganze um des Himmels willen in reiner Gesinnung. Darin ist keine Bedrückung des Armen. 98
4. Selbst wenn wir an Tora, Furcht und Weisheit große Leute finden, die die Gegenstände der Verborgenheiten der Tora nicht berühren, der Größe ihrer Höhe, weil sie großen Reichtum an den offenbaren Schätzen der Tora und Weisheit haben, ihre Geistigkeit damit zu beschäftigen, so verzage das Herz des Menschen nicht darum, daß er drinnen ein inneres Gefühl und einen Druck von seelischer Sehnsucht nach den Pfaden der Geheimnisse empfindet. Denn selbst wenn wir entscheiden, daß dieses Begehren von seiner geringen Befähigung für die offenbaren Dinge kommt, was liegt daran? Schließlich ist dies seine Anteilgabe. Und es ist für ihn angemessen, sich an seinem Anteil zu freuen. Denn Gott ist allen nahe, die Ihn in Wahrheit und in Schlichtheit anrufen. 99 Vor Ihm wird ein Vornehmer nicht mehr angesehen als ein Geringer.
5. Die Verborgenheiten der Tora können, weil sie aus höchster Quelle, aus dem stärksten Versteck des Inneren der Seele kommen, ein Teil Gottes von oben, in alle Herzen eintreten, auch· in diejenigen Herzen, die nicht zu einem Maße von weiter Kenntnis, 91 Wissen um ihre wissenschaftliche Schwachheit, die sie mit Demut erfüllt, dieser ihrer Fähigkeit, nämlich der Neigung zu den Geheimnissen des Höchsten, bedienen, dann bringen sie der Welt Segen und offenbaren mit ihrem reinen Wünschen ein großes Licht der Kenntnis der Heiligen, einer Kenntnis, die von keiner bedrängenden Krankheit 100 – der Bedrängnis von Menschenweisheit oder Unebenheiten des Menschenherzens – berührt wird. Aber wenn diese Menschen ihren Nachteil und ihre Schwäche nicht erkennen und ihr Herz überhaupt nicht darüber trauert, sondern sie sich hochmütig überheben, daß wirklich alle Geheimnisse der Weisheit vor ihnen offenbar seien, dann zerstören sie die Wärme des Empfindens und halten es nicht aus, die heiligen Perlen aus dem Grubenort in der Tiefe der Seele zu entdecken, die sich nur denen geschlagenen Geistes101 und den recht Demütigen offenbaren.
6. Auch wer nicht fähig ist, sich in seinem Verstand die Feinheit der erhabenen Gegenstände, die in den Verborgenheiten der Tora dargeboten werden und in allen Darbietungen der Weisheit der Geheimnisse, vorzustellen, der kann auf jeden Fall das allgemeine Empfinden und das seelische Genießen von der Natürlichkeit der verständigen Seele selbst her und von dem in die Seele gesenkten gläubigen Gefühl her empfinden. Der Verstandesgebrauch kann bei ihm nur zum Läutern der Begriffe dienen, auf daß sie bei ihm keine irreführenden Aktivitäten hervorrufen, die der klaren Erkenntnis und dem reinen Glauben in der Reinheit seiner Wahrnehmungen widersprechen. Dann werden die geistigen Eindrücke als Gedanken bei ihm bleiben, die den Geist tragen und ihn zur höchsten göttlichen Sphäre erheben, die die Quelle des seelischen Glückes und des Glanzes für den einzelnen und die Gemeinschaft ist.
7. Ein großer Mangel beim üblichen Lernen der Überlieferung 102 ist, daß die Lernenden nicht am Anfang mit ihrem Verstand von den Quellen der Tora zum Verstehen der göttlichen Gegenstände wandern, sondern sich selbst mit Hinweisen des in Büchern geschriebenen Lernens mästen, wodurch ihr Verstand nicht erhoben wird, sondern ein gewisses mattes Empfinden in ihnen leuchtet. Aber dies ist nicht der Ruhepunkt.103 Sondern erst nachdem der Mensch in seinem Verstande losgezogen ist, JHWH zu erkennen, und damit das geziemende Wachen über den Sprüchen der Weisen und ihren Rätseln, die zu den Gegenständen der Geheimnisse in all ihren Einzelheiten gesagt werden, verbindet, erst dann erhebt sich der Mensch und die ganze Welt erhebt sich mit ihm. So gewinnt dieser Mensch Anrecht für sich selbst und gewinnt Anrecht für die Versammlung Israels und für alles, was von ihr abhängt, was wirklich alles ist.
8. Es kommt vor, daß die Geringheit des Verstandes den Menschen zu verborgenen Dingen bringt, aber nicht, weil die verborgenen Dinge zur Unwissenheit passen, sondern weil der oberste verstandesmäßige Funke durch die Klügelei verborgen wird. Wen aber das matte irreführende Licht der Klügelei abwesend ist, erwacht die Leidenschaft des obersten Funkens im Verstand. Man kann aber nicht zur Vorstellung seiner Lösung gelangen, wenn man nicht wiederum Weisheit, Wissen und Fähigkeit vertieft. Dann gelangt man zu dem Maß, daß man den Wert der menschlichen Klügelei und ihre Schwäche erkennt, und von selbst seine Neigung zur Verbindung mit dem obersten Verstand, der aus dem göttlichen Glanz in der ganzen Stärke seiner Pracht hervorquillt, bestehen bleibt.
9. Die höchste Quelle, Ursprung unendlicher Wahrheit, endloser Schönheit und unbegrenzter Kraft, quillt am Ursprung der Geheimnisse der Tora immer mehr. Diese Quelle ist bereit, durch die Erforschung der Buchstaben, der Vorstellungen und der Erscheinungen der Tora, auf allen Pfaden des gedanklichen und sprachlichen Ausdruckes freigelegt zu werden. Wenn die Seele von all den Bedrängnissen durch die begrenzten Wissenschaften, die in enge Räume gezwängten Strebungen, an denen sich die Häßlichkeit und die Abscheulichkeit beim Erwachen ihrer verschiedenen Bewegungen zeigen, ermüdet, dann findet sie für sich einen Schlupfwinkel vor dem Guß im reinen Schatten der Logik der Geheimnisse der Welt und heiliger Wunder, die in der Forschung der Verborgenheiten der Tora liegen.·Aus den steilen Bergen, die wie geringe Bergkämme erscheinen, Ausrichtung der Zahlen, Bewertung der Gematria104, Hinweise der Namen, Ströme der Schrift, Halacha und Haggada, scheint Licht der Sonne, die aufgeht in ihrer Kraft, zur Gerechtigkeit und zur Heilung105 dazusein. Da scheint sie, und alle, die auf sie blicken, strahlen 106 und kehren wieder und leben. Wohl jedem, der den lieblichen Geschmack Gottes kostet und die Bäche seiner Lieblichkeiten, von auserlesenem Honig der heiligen Verborgenheiten, vom Geheimnis des JHWH für die, die ihn fürchten und seinen Bund zu wissen bekommen. 107
10. Eines der Wunder des Studiums der Geheimnisse der Tora ist, daß in der Zeit, in der der Mensch diese erhabenen Gegenstände aus Liebe und innerem Empfinden lernt, obwohl er die Gegenstände nicht mit klarer Verstandeseinsicht erfassen kann, sie jedenfalls sein ganzes Wesen erheben und danach die Gegenstände ihr Licht auf ihn werfen, bis die Ströme der Flüsse der Weisheit sich über ihm ausbreiten und er durch das innere ungeklärte Rätsel hellen Verstand und entschiedene Gedanken mittels der Erscheinung im Kreis seiner Bildung gewinnt.
11. Wenn man die Geheimnisse der Reinheit der Tora mit treuem Herzen betrachtet, obwohl die geistigen Dinge sich in der Kraft der Vorstellung abzeichnen, erklären sie sich danach auf allen Pfaden des Verstandes und gleichen sich allen Wegen der klaren Logik an. Es bleiben jedoch immer Überschüsse und Weiterungen von allen Erklärungen, und sie werden zum Quell, von dem sich die Ströme des Verstandes in all ihrer Pracht und Größe speisen.
12. Wenn man sich mit dem Lernen von Geheimnissen ohne Erläuterung, aber mit gutem und treuem Herzen beschäftigt, gleicht das dem Regen, der aus den Wolken kommt. Und der Regentag wiegt wie der Gerichtstag. 108 Danach aber geht eine große Segensfülle daraus hervor, und die Sonne der Gerechtigkeit scheint, mehr als die Gaben des Ertrages der Sonne und als die Gaben der Gewächse der Monde. 109
13. Abhaltungen von einer bestimmten Vorstellung des Wachens über der Tora, die aus reiner Seele und deren Sehnen nach höchsten geistigen Vorstellungen kommen, gelten nicht als Vernachlässigung und Verhinderung der Tora, sondern als eine höchste Stufe, auf ihr zum Wachen über der höchsten Tora aufzusteigen, gemäß der Tugend des Rabbi Jochanan ben Sakkai, den man nie schweigend sitzen fand, sondern immer sitzend und lernend 110, obwohl er mit einer großen Sache, nämlich dem Werk des Thronwagens beschäftigt war, bei dem Schweigen notwendig ist. Jedenfalls setzt sich das Wachen, das aus der Tiefe der Erkenntnis und ihrer Klarheit hervorkommt, über alles hinweg.
14. Wem es schwerfällt, wegen seines höchsten Verlangens nach Verallgemeinerungen und verborgenen Dingen, Einzelheiten und offenbare Sachen zu lernen, muß jedenfalls auch diese Hinderung überwinden, obwohl diese Schwierigkeit von der Höhe der Seele kommt. Während er diesen üblen Zug bezwingt, der von höchster Höhe kommt, bezwingt er die Norm des Rechtes in ihrer höchsten Wurzel und vermehrt in der ganzen Welt insgesamt höchste Gnade und Erbarmen, die sich für jedes Geschöpf offenbaren, um alle Werke zu erfreuen, allen Bedrückten zu helfen und die Tore der Umkehr für alle Fernen und Verzweifelten zu öffnen.
15. Wir sehen, wenn man die Welt anblickt, um sie unter dem Einfluß der offenbaren Dinge in der Tora allein, ohne Einfluß der Tora der Güte, die aus der Quelle der verborgenen göttlichen Bildung hervorkommt, zu richten, dann wird die Norm des Rechtes, der Haß der Geschöpfe und die Verzweiflung in jeder Hinsicht sehr vergrößert, und es gibt keinen anderen Weg in einer Generation, in der sich viele Durchbrüche ereignen, in einem von Heiligkeit durchzogenen Seelenstand zu bleiben, als durch die Verbindung der aus dem Einfluß der offenbaren Tora erwachsenden Genauigkeit mit der Güte und dem Licht des Angesichtes der verborgenen Tora, da sich dann die Güte und die Stärke vermischen und süß werden.
16. Ohne die Frechheit im Gefolge des Messias 111 wäre es nicht möglich, die Geheimnisse der Tora in vollkommener Offenheit zu erklären. Nur durch die Verdichtung der Empfindungen durch die Frechheit wird es möglich sein, die höchsten verstandesmäßigen Lichter zu empfangen, so daß schließlich alles zu endgültiger Vervollkommnung zurückkehren wird.
17. Geheimnisse der Tora werden entsprechend allen Weisheiten in der Welt erklärt und entsprechend der natürlichen Himmelsfurcht, die unter den Büchern am schönsten in den Pflichten des Herzens 112 erklärt wird. Diese unterste Grundlage ist das geeignete Material, die höchsten Formen von der oberen Heiligkeit zu empfangen.
Kapitel XI
Die Wirksamkeit der Tora und ihre Anleitung
1. Die erforschende geistige innere Aufdeckung in den Tiefen der Seele Israels stellt uns die ganze praktische Tora in ihrer inneren, ideenhaften Form und in allen ihren Einzelheiten vor. Die gesamte Ausbreitung der Mündlichen Tora mit ihren Verzweigungen- sie alle miteinander sind selbst das Leben der Nation, das aus höchstem Ursprung entspringt und mit einem kräftigen Hieb ausgehauen ist. Von diesem Eindruck der Aufdeckung der Seele kommt man zu erhabenerer Erhebung und erhebt sich immer weiter. Die Stufen der Überlegenheit des Geistes des Heiligen offenbaren sich allmählich, alles gemäß Wachen über der Tora und den guten Werken: Erhebung der Tugenden und Erhellung der göttlichen Anhänglichkeit im Geist höchsten Wissens.
2. Der aufrichtige Mensch muß an sein Leben glauben, das heißt, daß er an sein eigenes Leben glaubt und an seine Empfindungen, die auf geradem Weg von der Grundlage seiner Seele ausgehen. Das heißt auch, daß Leben und Empfindungen gut und gerade sind und auf geradem Wege führen. Die Tora soll ein Licht für seinen Fuß 113 sein, bei dem man die Stelle sähe, wo ein Fehler lauert, da die Seele sich bisweilen in wegloser Wüste 114 verirren könnte. Aber der ständige Stand m\)ß die seelische Sicher­ heit sein. Der israelitische Mensch ist verpflichtet daran zu glauben, daß die göttliche Seele in seinem Inneren waltet, und daß sein ganzes Wesen ein Buchstaben aus der Tora ist. Ein Buchstaben aus der Tora ist eine ganze Welt, die sich immer weiter ohne Maß vermehrt; denn selbst für die geistige Ausbreitung eines Sandkorns gibt es genausowe­nig Maß und Form, und die Jahre des Menschen reichen nicht, die ganze Menge der Gesetze zu erläutern, die auf Weisheit gegründet und mit Wissen und gewaltiger Kraft in seinem Inneren verflochten sind. Das Volk muß sich erst recht in seiner Gesamtheit mit sehr hell entflammtem Gauben darauf verlassen, sein Leben mit seinen Neigungen in Gewißheit zu führen. Dann erkennt es, wie man sich des Lichtes der Tora des Lebens bedient.
3. Das Hochhalten der Tora muß aus der Verstärkung der geistigen Kraft in der Tiefe der Heiligkeit der Seele kommen, die die Flut ihres Lebens auf die Bewegungen des einzelnen Menschen und der Gemeinschaft insgesamt mit plötzlicher Flut, ohne langsa­ me Abstufung und Verknüpfung der Teile, “Befehl auf Befehl und Meßschnur auf Meßschnur” 115 ergießt. Auf diese Weise erhält das fernste wie das nächste Ding Trän­ kung des Lebens nach seinem Maße.
Die Grundlagen der Tora pochen einstimmig im Puls ihres Lebens zusammen mit ihren Einzelheiten, die Begrenzungen mit den Verbesserungen, die Bräuche mit den geraden Anleitungen, die guten Glaubensgrundsätze und alle ihre Zweige. Was ja beim Kleinglauben, der aus ärmlicher logischer Beschränkung kommt, nicht so gehandhabt wird. Hier muß der Verstand sich abmühen, bis er für sich eine Beziehung zwischen der Hauptsache, die dem Herzen entsprechend seiner Auffassungsgabe zugänglich ist, und der entfernten Verzweigung der einzelnen Vorgänge findet. Ständig stolpert er und bleibt zurück auf den Wegen des Lebens. Der begrenzte Verstand und alle seine Über­ legungen können den Weg nicht erleuchten, und die Kraft reicht nicht aus, mittels dieses gebrochenen Gerätes aus dem strömenden und lebenden Quell des Lichtes des JHWH in Seiner Welt und in Seiner Tora zu schöpfen. Darum ergeht das Licht der Umkehr und bahnt einen Weg für das Volk und ruft es kräftig, zu JHWH umzukehren, auf Seine Stimme zu hören, auf Seinen Wegen zu gehen und Ihm anzuhangen. Nur mit· dieser starken Kraft wird das Volk leben und bestehen. Der gewöhnliche Verstand und all seine Fähigkeit wird ein geziemender Diener sein, dem Geist des Lebens, der in der Fülle der Seele pocht, als kleine Hilfe 116 hinsichtlich des Stiles und der Beschreibung irgendwelcher einzelnen Dinge zu helfen. Aber die Grundlage des Ganzen, der Quellort des Lebens, das ist doch der Geist Gottes im Herzen, der in der Innerlichkeit der Seele lebt, der voller Kraft und Stärke ist, der sich nicht Ruhe gibt, bis er Jerusalem als Lob auf Erden einrichten und einsetzen wird. 117
4. Die Tora bringt die geistige Welt zum Menschen herab, und darin alle oberen Vergnügungen offen vor ihn. Dies ist das Glück des Menschen und das Ziel seiner Formung. Um die geistige Welt zu ihm herabzubringen, muß er empfinden, daß er Mangel leidet, das heißt “ich bin bei dem Geschlagenen” 118. Der Heilige – Er ist gesegnet – stellte alle Berge und Hügel in der Welt zurück und ließ seine Gegenwart nirgends anders walten als auf dem Berg Sinai, und der Berg Sinai ragt nicht weit hinauf. 119
5. Wenn der Mensch in seinem Geist” und in seinen Gedanken der. Tora nahe ist, erleuchten ihn die höchsten Erleuchtungen. Seine Tugenden und Eigenschaften erheben sich und steigen nach oben und erfüllen sich mit dem Glanz höchsten Lebens, und Kanäle von Licht, von Mark heiligen Lebens beeinflussen ihn mit der Überfülle ihres Glanzes, und die Empfindungen der zarten Nähe Gottes erregen ihn. Darum bete jeder Fromme und sei sorgsam mit all seinen Wegen und Taten, Reden und Bewegungen, auf daß von seiner Hand kein Schaden ausgehe und nicht irgendeine Sünde oder Vergehen verursacht werde, so daß eine Trennung entsteht zwischen ihm und dem höchsten Licht, das das wirkliche Leben überfließen läßt. Dies sind die Wege, die durchgedrungen sind zum höchsten Glück, welches kein Auge gesehen hat, Gott, außer Dir, der für den wirkt, der auf ihn harrt. 120
6. Die Tora läutert die Tugenden und alle körperlichen und seelischen Eigenschaften, weil sich das ganze Gemüt durch die Beschäftigung mit der Tora in den Schatz des Lebens der Quelle der Geradheit des göttlichen Lebens einhüllt, welches die Wurzel der Tora ist. Durch das Verweilen der Zweige an ihrem höchsten Ursprung erwerben sie dort die höchste und heilige Natur ihrer Ursprünglichkeit entsprechend der Grundlage ihrer göttlichen Quelle. Danach, wenn sie wiederkehren, um sich im Körper auszubreiten und die Aktivität des Lebens zu vollbringen, kehren sie mit großer Überfülle höchsten Adels und Zartheit zurück, und ihre wesentlichen und praktischen Erzeugnisse werden gesegnet und verfeinert. “Ist’s nicht so: Mein Wort ist wie Feuer, ist der Spruch des JHWH.” 121
7. Das Gedenken der Tora führt zur Demut. Denn “ein Zeichen von Hochmut ist die Armut an Tora”. 122 “Demut” ist in hebräischen Zahlzeichen kuf-lamed-alef, also “Iamed” für “lerne”, “kuf-aler’ für “hundert- und einmal”. “Und wer sein Kapitel 100mal lernt, gleicht nicht dem, der es 101 mal lernt.” 123
8. Die Tora ist Würze ausgerechnet für den bösen Trieb. Nicht eine Einsicht in der Welt und nicht irgendwelche höheren Empfindungen – ausgerechnet die Tora. “Ich schuf den bösen Trieb, ich schuf ihm Tora als Gewürz.” 124 Jedoch muß die Tora sich ausbreiten in allen ihren Bezügen. Dann erleuchtet ihr Licht alle Ziele, Bezüge und Maße des Geistes des Heiligen, der Offenbarungen und dergleichen. Wenn sie mit dem Licht der Tora leuchten, wird die Tora sehr gesegnet, und der böse Trieb selbst erhebt sich immer weiter, heiligt sich und wird zum Guten verwandelt. Der Ankläger selbst wird zum Verteidiger, und in einer Sache, wo sie schadhaft sind, erfahren sie Heilung.
9. Die Tora ist allgemeines Heilmittel für sein ganzes Fleisch, sie setzt das ganze Leben in der Tiefe instand. Durch die Vermehrung der Gestalten der Tora und durch das Licht ihres Lebens erhebt sich der Mensch und die ganze Welt. Ohne das Licht der Tora in der ganzen Menge der Visionen und ohne die Empfindungen von Furcht und das Gebet kann das Böse ruhig in der Welt wühlen. Es erhebt seinen Gestank und seine Fäulnis, selbst wenn das seelische Entzücken und die Erscheinung von Offenbarungen groß und stark würden. In dem Maße jedoch, in dem die Tora mit der Erscheinung verbunden wird, offenbart sich ihr Gutes und ihre heilige Pracht, und der Herr der Himmel wird geheiligt und die Kraft des Heiligen gewinnt die Oberhand.
I 0. Der Durst nach ihrer gänzlichen Vollkommenheit, den die Seele empfindet, wird aus jeder geistigen Erleuchtung, die über sie kommt, gestillt, aber der besondere Durst der israelitischen Vollkommenheit, die ihre Aufgabe sucht, wird nur durch die Erfüllung der Tora gestillt.
Kapitel XII
Die Tora für Israel und für die Welt
1. Die Tora ist eingefaßt in den Geist Israels. Der bloße Geist Israels ist von allem voll: Licht Gottes, Zeugnis des Daseins, Quelle der Seelen. Die Tora, wenn sie erstarkt, wenn ihre Erkenntnis sich ausweitet, wenn ihr Licht erstrahlt, wenn ihre Empfindungen sich inmitten jeder Seele vertiefen, breitet sich wie das göttliche Licht weiter in der Welt aus, verherrlicht und erhebt sich. Und die ganze Welt erhebt sich in der Erhebung der einzelnen, die erhabenen Geistes sind.
2. “Der natürliche Brauch kommt vor der Tora.” 125 – Dies ist eine zeitweise, für die Generationen notwendige Voranstellung. Die Moral in ihrer Natürlichkeit, mit der ganzen Tiefe ihrer gewaltigen Pracht und Stärke, muß in der Seele festgemacht werden und wird für diejenigen großen Einflüsse, die von der Kraft der Tora kommen, als Unterlage dienen. So wie die Furcht hinsichtlich der Wurzel der Weisheit vorangeht, 126 so geht die natürliche Moral hinsichtlich der Wurzel der Furcht und allen ihren Zweigen voran. Diese Regel gilt beim einzelnen Menschen, sie gilt ebenso bei der Nation allgemein und bei allen Menschengruppen. Wenn es manchmal eine Notwendigkeit gibt, den Überfluß der Tora ohne die Voranstellung der Verwurzelung der natürlichen Moral in ihrer Reinheit zu bringen, ist das der Weg einer befristeten Anweisung. Dann muß das Leben einen Bogen schlagen, damit der Fortgang zu einer regulären Ordnung zurückkehre: Vorangehen der natürlichen Moral in ihrer ganzen Vollständigkeit, um auf ihrer Grundlage den Saal der Tora und der höchsten Furcht zu bauen.
3. Jeder Sache der Tora muß ein natürlicher Brauch vorangehen. Ist es ein Gegenstand handelt, der mit dem Verstand und der natürlichen Geradlinigkeit übereinstimmt, muß man auf geradem Wege mit Herzensneigung und der Zustimmung des dem Menschen eingeprägten reinen Willens vorgehen, wie in Fällen von Raub, Entblößung und Schamhaftigkeit- von Ameise127, Taube und Katze128. Dies gilt erst recht vom inneren Bewußtsein des Menschen selbst und seinem geistigen Gespür. Wenn es eine Sache ist, die den Verstand und die Herzensneigung übersteigt, muß sie ebenfalls durch den Kanal des natürlichen Brauches gehen, durch die Verbindung, die jede Einzelheit mit der Allgemeinheit hat, in der Weise, wie eine Pflichterfüllung eine andere Pflichterfüllung nach sich zielt. 129 Auch die konkrete Aufrichtigkeit, mit der Tora verbunden zu sein, mit dem höchsten göttlichen Willen, der sich im Licht der Tora offenbart, und auch die Vereinigung mit der Gesamtheit der Nation in ihren Generationen auf den Wegen ihres Lebens in den Gedanken des Heiligen – alle diese sind Pfade des natürlichen Brauches, die die noch innerlicheren Erleuchtungen vorbereiten, sie mit Glanz und blitzender Leuchtkraft zu erleuchten.
4. Die Tora schafft tatsächlich die israelische Seele. Und die allgemeine Weisheit. diejenige, die außerhalb des Begriffes “Tora” ist, schafft die menschliche Seele. Wenn man die Innerlichkeit der menschlichen Seele in ihrem Wesen betrachtet, findet man den Geist Israels darin leben. Ebenso finden wir im inneren Wesen jeder Vollkommenheit und Weisheit das Licht der Tora.
5. Die Tora wurde Israel gegeben, damit die Pforten des Lichtes 130 uns heller, weiter und heiliger als alle Pforten des Lichtes der natürlichen Einsicht und des Geistes der natürlichen Moral des Menschen geöffnet werden; und durch uns für die ganze Welt. Wenn wir unsere Ohren verstopfen, so daß wir die einfache Stimme des JHWH nicht hören, die kräftig durch alle natürlichen Pforten des Lichtes, welches das Erbteil jedes Menschen ist, ruft, weil wir denken, daß wir das Licht der Tora in der Tora finden, die weggerissen ist von allem Licht des Lebens, welches in der Welt verbreitet ist, in ihrem Inneren und in der Seele des Menschen in ihrer Herrlichkeit abgerissen ist – dann verstehen wir dabei den Wert der Tora nicht. Darum heißt es: “ein törichtes Volk und nicht weise” 131 , wie es Onkelos übersetzt: “Das Volk, das die Tora bekommen hat, und nicht weise geworden ist.”
6. Niemand denke, daß es möglich sei, ein geistiges Leben ohne das Licht der Tora zu führen; ebenso wie es unmöglich ist, ohne Licht und Luft, ohne Speise und Trank zu leben. Noch viel mehr als dies ist es unmöglich, ohne die Lebendigkeit der Tora zu leben. Wenn wir Menschen weit weg von der Tora und vom Leben sehen, entspricht das Maß ihrer Geistigkeit wahrhaftig nur demjenigen Wert, in dem sie mit der Tora verbunden sind oder in welcher Weise sie ein Leben der Tora führen. Vielleicht gibt es auch im Verborgenen ihrer Seele irgendeinen überkommenen Vorrat vom Einfluß des Lebens der Tora, den ihre Väter ihnen in früheren Generationen erworben haben. Das Urteil der Schüler der Weisen, die im Geheimnis des JHWH stehen, richtet sich nach den Geheimnissen der Tora, so wie das Urteil des ganzes Volkes sich nach der Gesamtheit der Tora richtet. Sie sind darauf angewiesen, ihr grundlegendes Leben durch den Reichtum der Verborgenheiten der Tora zu empfangen.
7. So wie die Gemeinschaft Israels nur im Lande Israel zur Verwirklichung ihrer Eignungen gelangt, so erlangt jeder Mensch von Israel seine geistigen Eignungen nur durch die Tora, die das passende geistige Land für die Eignung der israelischen Seele ist. Alle Wissenschaften gleichen im Vergleich zum seelischen Wachstum in Israel dem Ausland.

Kapitel XIII
Die Tora des Auslandes und die Tora des Landes Israel
1. Wenn man viel Verborgenes lernt, dann leuchtet alles, was man vom Offenbaren versteht und lernt, mit wertvollem Licht. Die Erscheinung des Verborgenen und ihre Eignung wird über allen erfaßten offenbaren Gegenständen offenbar. Es ist die Methode des Jerusalemer Talmud 132, daß, weil sie Fromme waren, ihre Tora gesegnet ist 133 und nicht nur, wie nach den Worten des Babylonischen Talmud, ihre Tora bewahrt ist. 134 Es scheint, daß der Jerusalemer Talmud sich mit höheren Frommen beschäftigt, bei denen sich die Tora durch die Erscheinung der Einsichten des Heiligen von kleiner Menge zu großen und starken Strömen vergrößert und verherrlicht. Sie erreichen das Licht der Tora auch durch das Gebet und die Betrachtung während, vor und· nach dem Gebet. 135 Diese sind Körper der Tora und Seele der Tora. Darin gibt es einen Unterschied zwischen der Luft des Landes Israel, 136 wo der Geist des Heiligen auch den Inhalt der Halachot beeinflussen kann, während sich der Geist des Heiligen im Ausland offenbar nur auf den Aggadot ausbreitet und die Halachot nach dem menschlichen Verstand entschieden werden. “In den Finsterheiten läßt er mich sitzen – das ist der Talmud von Babel.” 137 Aus der Finsternis jedoch sprießt ein großes Licht: “Das Volk, das in Finsternis wandert, sieht ein großes Licht, die im Land der Todesschatten sitzen, über ihnen strahlt ein Glanz.”138 Weil sie damit die höchste Erleuchtung der göttlichen Gegenwart zu den niederen Bahnen 139 des Lebens herabbringen und damit sehr viele dunkle Eingänge erleuchten, und weil dies einige Fernstehende einlädt, daß sie kommen und sich nähern und sich mit dem höchsten Licht des Glanzes der Tora in ihrem Wesen verbinden, welche die Tora des Landes Israel ist: “,Das Gold dieses Land ist gut’ – keine Tora ist wie die Tora des Landes Israel und keine Weisheit wie die Weisheit des Landes Israel”.
2. “,Das Gold dieses Landes ist gut’ -keine Tora ist wie die Tora des Landes Israel” (Midrasch Rabba). In jeder Generation mußten wir die Tora des Landes Israel sehr lieben und noch mehr müssen wir dies in unserer Generation, der Generation von Absterben und Belebung, die der Zeit von Dunkel und Licht, Verzweiflung und Kraft angehört. Für sie brauchen wir ein Lebenselexier – eben von der Tora des Landes Israel. Wir müssen dieser Generation die Wahrheit und die Helligkeit zeigen, die in unserem göttlichen Schatz ist, in den Meinungen und Erwägungen der wahren Tora, ihr die Schönheit und die Erhabenheit zeigen, die Lieblichkeit und die Pracht, die in ihren praktischen Aufgaben ist, und in der Beschreibung der Vorgänge des gesamten Lebens, das ihr gemäß und in ihr ist, zeigen wie sehr sie eine Tora der Wahrheit und zugleich eine Tora des Lebens ist. – Dafür müssen wir den Geschmack der Tora aus ihrer Tiefe und ihrer Grundlage schmecken und zu schmecken geben. Dies zu spüren, zu erlangen und zu empfinden ist nur im Lande Israel möglich.
3. Alles, was hinsichtlich der Tora des Auslandes im Verständnis des einzelnen geläufig ist, steigt in der Einschätzung der Tora des Landes Israel zu allgemeingültiger Bedeutung auf. Die Tora des Auslandes beschäftigt sich mit der Vervollkommnung der einzelnen Seele, mit der Sorge um ihre Materialität und ihre Geistigkeit, um ihre Läuterung und ihre Erhöhung im momentanen und im ewigen Leben, aber nur bezogen auf die einzelne Seele. Nicht so die Tora des Landes Israel. Sie sorgt ständig für die Gesamtheit, für die Allgemeinheit der Seele der Nation. Die Einzelheiten versammeln sich ja in ihr in ihrer Gesamtheit, sie erheben sich durch ihre Erhebung, krönen sich mit ihrer Krone, “eine prächtige Krone für die im Schoß Getragenen, die künftig wie jene erneuert werden und ihren Schöpfer verherrlichen für den Namen der Ehre seines Königtums”. 141 Auch diese Erhebung von der Einzelheit zur Allgemeingültigkeit, auf die ganze Weite der Tora, im einzelnen auf die Weite der Gedanken des Glaubens und der Himmelsfurcht in Wahrheit, auch dies selbst ist eine erhabene und erhobene Erneuerung der Tora des Landes Israel.
4. Nicht nur die Aggada allein kann vom Licht des hellen Gedankens der Tora des Landes Israel erleuchtet werden, sondern auch die Halacha, die Grundlagen der Erklärungen, die Untersuchung der Entscheidungen, die Wurzeln der Methoden und ihre allgemeine Bedeutung, die in den Tiefen des geistigen und praktischen Lebens steckt. Und nicht nur die Tora in ihrem belehrenden Sinn, der sich in den vier Ellen der Halacha 142 findet, sondern die Erleuchtung des Lebens insgesamt, alles hängt am Reichtum des Gedankens. Aus der Tiefe der geistigen Belebung, die für die Tora des Landes Israel bereitet ist, werden die Grenzen und die Eisenwände zwischen Gegenstand und Gegenstand, zwischen Disziplin und Disziplin, immer kleiner werden. Die gesamte geistige Welt wird in einer Erkundung durch die Luft des Lebens der Seelen des Landes des Lebens erkundet werden. Die Pracht des Lebens für die Lieblichkeit der Geheimnisse, der Blitz der Auseinandersetzung und die Ermutigung der Belebung der Gesamtheit Israels auf dem Boden des Heiligen, die Klarheit der Halachot und die Erweiterung der Schauung und des Liedes, der Wunsch nach herausragendem Eifer und die Lust an der körperlichen Entwicklung, all dies und was dazu gehört, was im Ausland und im Gebrauch der Welt vor den Tagen der Belebung, die vor der Tür stehen, 143 als voneinander fern und einander widersprechend beurteilt worden war, all dies erscheint uns jetzt zusammengefügt in einer Verbindung von wahrer Verknüpfung und Vereinigung: Jedes einzelne unterstützt seinen Gefährten, bei seiner Erweiterung und seiner Vertiefung, bei seiner Ausbreitung und Vervollkommnung.
5. Der allgemeine göttliche Strom, der durch jedes der Teile der Tora strömt und ihnen Leben gibt, ist gewöhnlich nur hier auf dem Boden des Heiligtums ein gültiger Begriff. Die Weisheit der Tora des Landes Israel kann tatsächlich aus der Erweiterung des Wissens und aus begeisterndem und veredelndem geistigen Vergnügen viele starke und weite Auseinandersetzungen erfinden. Der umfassende höchste Glanz, der aus der innersten Innerlichkeit der Verallgemeinerungen leuchtet, tut, wenn er zu den Einzelheiten herabkommt, mit ihnen alles, was sein Herz geradlinig und weise wünscht, er kann “aus jedem Tüpfel um Tüpfel Berge um Berge von Halachot ableiten”, 144 und aus einem Turm, der in der Luft fliegt 145, höchste Kenntnis, Tausende Antworten und Forschungen, um das Herz zu erweitern und die Seele zu vergnügen. Sie muß die Auseinandersetzung nicht hinziehen, um eine klare Halacha aufzustellen. Sie erlangt die Wahrheit und den lauteren inneren Inhalt vom Glanz der Innerlichkeit des göttlichen Gefühles, das auf die Bewohner des Bodens des Heiligen leuchtet. Nur die Luft des Landes Israel kann diejenigen, die sich mit der Tora beschäftigen, in einem solch inneren hohen und veredeltem Maße weise machen. 146 In allen Einzelheiten der Angelegenheiten und der Halachot ist die Weisheit der Tora des Landes Israel bestrebt, sich in innerer starker erhabener Pracht zu offenbaren.
6. Wir müssen uns zu jener Stufe des Verstehens der Verallgemeinerungen und der allgemeinsten Verallgemeinerungen erheben, dann werden die Einzelheiten mit ihren Darbietungen von ihnen gestützt werden. Dies ist die spezielle Lieblichkeit der Tora des Landes Israel, und darin ist sie von der des Auslandes unterschieden. Die Erhebung der Seele bei den Gelehrten zur Erkundung der Verallgemeinerungen von den Verallgemeinerungen der Tora, der Wurzeln des Glaubens und des Dienstes, die gemäß festgesetzter und vereinbarter Beschäftigung mit der Innerlichkeit der Tora überhaupt erklärt werden, ist ausgerechnet im Land Israel bereit, aufzutreten. Derselbe große Geist, in dem alle geistige Bestrebung, die in der Tiefe der Seele waltet, deren Ziel nicht ein einzelnes Ziel, sondern ein allgemeingültiges Ziel ist, zu demjenigen erhabenen Willen, der in der inneren Seele der Gesamtheit Israels verborgen ist, von der aus sich alle Verallgemeinerungen und Einzelheiten, Verborgenheiten und Gebiete der Tora verzweigen, tritt außer im Lande Israel nicht wie für die Seele angemessen in Kraft. Darum sind die Gelehrten nur im Lande Israel in der Lage, sich, wenn sie wollen, ihres Vorzuges zu bedienen und sich, wofür sie eingerichtet sind, selbst darauf einzurichten, in anständiger Entwicklung zu den Tiefen der Tora von oben nach unten zu kommen, von den Allgemeingültigkeiten zu den Einzelheiten. Der allgemeine Verstand, der von innerer Heiligkeit und von der Luft des Landes Israel erleuchtet wird, übergreift und steht oberhalb von allen Beschränkungen der Gegenstände. Er untersucht in allgemeiner Erkundung und ist durch das Licht der wahren Weisheit über das Licht der Tora erhoben, der Liebe und der Furcht, der Aggada und der Halacha, der Weisheit und des Tuns. Die Gegenstände trinken voneinander mit frischer Tränkung. Gerade weil die Gelehrten im Lande Israel für diese erhabene Stufe eingerichtet sind, sind sie allezeit entartet, verkommen, schwach und an Leib und Seele beschädigt worden, wenn sie ihre erhobene Stufe nicht erkennen und nicht zu ihr hinaufsteigen und trachten, sich auf den Pfaden der Forschung der Tora nur so zu verhalten, wie es für die ausländischen Gelehrten angemessen ist. Nicht nur wird ihr hoher Vorteil nicht offenbar; vielmehr scheint es gar, daß die Gelehrten im Ausland durch Fleiß und Auseinandersetzung zu ihnen aufsteigen würden. Und all dies, weil sie noch nicht zur Erkenntnis ihrer selbst gekommen sind und sich in der Weise ihres Lernens nicht dieses heiligen Vorteils bedienen, zu dem ihnen der Boden des Heiligtums verhilft.
7. Die Versammlung Israels lebt im Ausland im allgemeinen ein Leben, das nicht ursprünglich ist. Und die Gelehrten erst recht, da die Grundlage ihres Lebens das geistige Leben ist, der Verstand, das Wissen, das Empfinden, die Heiligkeit und die Reinheit, die im Ausland das Licht des ursprünglichen Lebens nicht empfangen können.
Darum drückt dort jedes Härchen, das aus einem Grübchen kommt, 147 an das andere im geistigen Prozeß. Die öffentliche Erleuchtung, die Geschäftigkeit, der Dienst, die Tat, die Halacha, die Aggada, das Offenbare, das Verborgene, die Überlieferung, die Moral, das Lied, die Witzigkeit und die Ernsthaftigkeit des Kopfes, die Auseinandersetzung und die Logik, die Feinheit und der Hinweis – all diese sind nur eingeteilt von außen und nicht von innen. Denn im Leben selbst, seinem inneren Strom, der in der Seele empfunden wird, vom Schatz des höchsten Lebens, fließt alles über in einem Prozeß, in Einheit und Angleichung – geteilt und entfernt voneinander, scheint es, daß jeder einzelne sich vor seinem Gefährten hüten und sich vor ihm fürchten muß, danach ausspäht, sich durch seinen Fall zu erheben und sich aus seiner Zerstörung zu füllen.
Die wahre Einheit und der höchste Frieden voller Leben, der wahrhaftig vom Überfluß des Namens des Heiligen – Er ist gesegnet – kommt, kann sich überhaupt unmöglich im Ausland entwickeln. JHWH ist Frieden: “Der Herr selber wird ,Friede’ genannt”.t48 So wie sich dort kein persönlicher Friede angemessen entwickeln kann, so kann sich dort, auf unreinem Boden, kein geistiger Frieden entwickeln. “Ihr Brot essen sie mit Sorge, und ihr Wasser trinken sie mit Trostlosigkeit und Zorn.” 149 Die Luft dort erwürgt, es ist ein geistiges Würgen, in Beziehung auf allgemeines Licht und Hoffnung. Darum kann dort, im Lande seiner Düsternis, das geistige Leben nicht ursprünglich sein. Es wird ja nur geschöpft aus dem Schatz des Lebens, der ein Überrest der Schriftlichen und der Mündlichen Tora aus Mühe und Gelehrigkeit ist, der zusammen mit Israel von der Höhe seines Sitzes 150 abgesetzt wurde und ins Exil abgestiegen ist. Doch nur die äußere Seite des Heiligen geht in das Exil: Die Abschnitte und die Buchstaben können in die Hand genommen werden und von Ort zu Ort gehen, von Land zu Land, mit denen, die in das Exil gehen. Aber deren innere Seele, die Seele des lebendigen Gottes, in der Erhabenheit ihrer Reinheit, die dem höchsten Licht und der allgemeinen Hoffnung verbunden ist, die vom Auge empfunden wird und an jeden Fußbreit und Schritt des Bodens des Heiligtums gekettet ist, des Landes des Lebens und des Tales der Schauung, diese innere Seele erscheint und offenbart sich nur an ihrem Ort im Lande Israel. Die Wahrnehmung, daß wir ein furchtbares Volk sind, Königskinder, Bevorzugte unter den Völkern und aufgestellt als Fürsten des Heiligtums, ist die Selbstwahrnehmung, die im Ausland durch die Ohnmacht des finsteren Kummers und das Stöhnen der Finsternis verdunkelt ist. Sie erblickt sich auf dem Boden des Heiligtums in der Helle der Seele und im Glanz des Lebens. Darum ist die Tora im Lande Israel ursprünglich, und sie ist eingerichtet, nur in ihm ursprünglich zu sein.
8. Eine kräftige und große Moral brauchen die Weisen des Landes Israel, große Zurechtweisung müssen wir ihnen angedeihen lassen, aber der Inhalt dieser Moral ist jeder in der Welt gebräuchlichen Moral entgegengesetzt. Von der Vermehrung des Einflusses jener straffen Normen, die an den Menschen herangetragen werden, um seinen Wert im einzelnen festzustellen und die Kraft seines Wirkens zu stärken, ist die ganze Welt insgesamt geschädigt, so daß jede Nation sagt “ich, und außer mir nichts” 151 . Und sie trachtet die ganze Welt insgesamt zunichte zu machen und zu verschlingen. Darum wachen die Weisen der von Ewigkeit in Israel und im Menschen vorhandenen Moral darüber, die Härte des Herzens zu erweichen, die Gewalt zu schwächen, den Stolz und alle Zweige, die aus diesen Arten hervorgehen, zu bezwingen. Im Gegensatz dazu steht die Moral, die von den Hervorragenden benötigt wird, von denen, die vom Licht ihrer Seele herausgefordert werden, groß und herrlich zu sein. Die feine Bereitwilligkeit erweitert das Herz so sehr und verfeinert das Empfinden, bis es alles empfindet und jeden Schmerz auf der Welt spürt, zu helfen und zu retten trachtet, und nur sich selbst vergißt Die Neigungsverläufe der Leute mit der feinen Seele, die wahrhaft eine volle Welt enthält, in ihrer Liebe zu sich selbst alles liebt und eingerichtet ist, sich selbst gänzlich zu vergessen, verlaufen umgekehrt zu den Neigungen der Mehrheit der Geschöpfe: Sie strömen von der Allgemeinheit zum Einzelnen. In ihren Augen sind sie selbst ja die Abfalle152 in der Welt, alle Mängel an ihrer Seele werden bei ihnen in einem klaren Spiegel offenbart, und das Licht und der Vorteil wird von ihnen unterdrückt und bedeckt. Diese sind eben die “Demütigen des Landes”153 , die, nachdem sie sich erhoben haben in Denken und Wissen, im Licht und in der Heiligkeit, die Welt insgesamt mit Licht und Leben erfüllen. Von dieser Art sind die Gelehrten im Lande Israel. Aller weltliche Schmerz und erst recht aller tiefe und schreckliche Schmerz der Gemeinschaft Israels ist ja in die Tiefe ihres Herzens eingeprägt und auf ihrer Seele versiegelt, so sehr, daß sie nicht mehr in ihr eigenes Inneres blicken können, um ihre Größe und ihre Pracht, den Glanz der Tüchtigkeit ihrer Weisheit, die Feinheit ihres Geistes und die Reinheit ihres Empfindens zu erkennen. Die Kinder des Landes Israel, besonders ihre Weisen, sind verpflichtet, in ihrem Inneren ihren Vorzug, der vom Tau des liebliches Landes trinkt, zu suchen und zu finden. Der Anstoß der äußeren Niedrigkeit, der Armut und des Mangels, die doch auch Ergebnisse der Bedrängnis, des Exiles und der Zerstörung sind, jener Anstoß, der sich am meisten auf den Boden des Heiligtums ergießt – und· der – Gott sei Dank – immer geringer wird, mehr und mehr sein bösartiges und bitteres Aussehen verliert – kann die Größe des Glanzes des Lichtes nicht verdunkeln, das durchbricht und hervorbricht, herauszugehen und Lebenszeichen und höchste Kraft zu zeigen. Dies ist jedoch die Tugend aller Großzügigen, aller Großen der Welt, die mit ihrem Einfluß alle Welten retten: Niedrig und unscheinbar, auch übergenug sorgsam und demütig zu sein, bevor ihre Pflicht ihnen klar wird, die sie mit Mut krönt und in ihre Hand Kraft und Hoheit legt. Solche müssen wir mit lautem Ruf rufen, ihnen von den Bergen Zions selbst kundtun, daß sie ein großes Leben führen, daß großer Mut und Stärke in ihrer Hand sind und daß sie doch befähigt sind, Wege zu bahnen vom Ursprung der Tora, wirklich von der Tora des Landes Israel, auf daß diese die ganze Welt mit ihrer Majestät wieder beleuchte. Nicht durch das, was ihr – wenig oder viel – gesetzlich regeln könnt, die Weise der Erneuerung, die Auseinandersetzung und die Forschung im Exil, könnt ihr eure wunderbaren Kräfte sehen, als Bewohner des Landes des Lebens habt ihr ein sehr viel größeres und höheres Zeugnis als dies. Ihr müßt uns die Krone der Kraft der Tora von der Heiligkeit unseres früheren Lebens zu ihrem älteren Zustand zurückbringen, ihr müßt euch zur Höhe des Gipfels der göttlichen Seele, die über die Berge Zions streift, erheben, um vom Glanz des Taus ihrer Lichter, der alles einschließt, zu trinken. Innerer Lebensgeist beginne in euren Herzen zu wehen, vom Leben der Seelen der Luft des Landes des Lebens, des heiligen, des alten, des schlafenden, schlummernden, ohnmächtigen, zur Belebung des Heiligen erwachenden und aufstehenden. Das neue, erwachende und stürmische Leben im Wort des JHWH zur Aufrichtung des Volkes seines Heiligtums, die Stärke und die Demut, die Tora und der Dienst, erhabene Furcht des Endlosen und Pracht der Liehe des lebendigen Gottes werden eure Herzen von Tau des Hermon erfüllen, der herabsteigt auf die Berge Zions 154. Das Offenbare und das Verborgene, das Studium und das Tun, die Zierde und die Kraft werden euren Geist erfüllen. Der Reichtum und die Ehre kommen danach und führen weiter, “Armut und Torheit und schlimme Krankheit” 155 werden weichen und vor dem Echo der Stimme des Lebens des köstlichen Landes fliehen. Erwacht und jauchzt auf der Höhe Zions, vom ursprünglichen Leben, vom Leben des Lichtes der wahren Tora in der Menge ihrer Kraft; die Menge der Schattierungen, die wir bereits in den Büchern geordnet finden, in den Methoden und Prozessen der Welt, in allen Fächern der Tora, der Moral und des Wissens wird uns nicht beschweren. Denn mehr als dies werden uns ,jeden Morgen neu”156 Ströme von Flüssen der Erkenntnis und Einsicht wachsen, und mehr als jeden mit Kunstfertigkeit und Geduld gemachten und verbesserten Frieden erkennen wir die Größe und die Erhabenheit der göttlichen Einheit und Liebe; die sich über alle Erwägungen der Einsicht und Kenntnis erhebt. Aus unserem inneren Frieden wird eine Hütte des Friedens über ganz Israel gebaut werden, und der Name des JHWH wird bei uns in Gerechtigkeit angerufen werden, “der die Hütte des Friedens errichtet über uns und über sein ganzes Volk Israel und über Jerusalem.”. 157

 

mystiek
Noten

1 Gen 1,2b.
2 Im Hebräischen steht ein “Dalet”- als vierter Buchstabe des Alphabetes Zeichen für die Zahl vier für den vierbuchstabigen unaussprechbaren Namen.
3 Num 12,7b.
4 V gl. yPea 3,6 l7a, par. TanB (Schemot) ki tissa 17, hier in der Form von Or HaChajim Tasria 13,37 (vgl. VayR 22,1 par. KohR 1,29; 5,7).
5 Vgl. Ps 85,11.
6 Das hebräische Wort für “Gesetzmäßigkeit” ließe sich auch mit “Verallgemeinerung” wiedergeben und steht in enger Verbindung mit den Ausdrücken “Allgemeinheit” und “Gesamtheit” in diesem Text.
7 yBer 1,7 (Horowitz: 4) 3b par. ySanh 11,6 30a und yAZ 2,8 41c.
8 Lev 25,5: Was ohne Aussaat von bei der Ernte ausgefallenen Körner wächst.
9 Vgl. H12,17; 4,6.
10 Klgl 3,23a.
II Entsprechend Hl 3,9.
12 Vgl. Jes 30,26.
13 Jes 30,26.
14 Vgl. mAv 6,1; Massechet Kalla 8. Ein und derselbe hebräische Ausdruck wird im folgenden aus stilistischen Gründen mit “Tora zum Selbstzweck”, “Tora als Selbstzweck” und “Tora um ihrer selbst willen” wiedergegeben.
15 Jes 42,21.
16 mAv 6,1 par.
17 Ebd.
18 bSanh 99b.
19 Hl 7,10.
20 Vgl Jes 35,3.
21 Mehrzahl zu “Halacha”:Verhaltensanweisung, (vorschriftsmässige) Vorgehensweise
22 Ps 84,3b.
23 Beginn und Name der Benediktion vor dem “Höre Israel” im Abendgebet.
24 Beginn und Name der Benediktion vor dem ‘Höre Israel” im Morgengebet
25 In der Kabbala Bezeichnung für die höchste Transparenz. Angespielt ist hier auf den kabbalistischen terminus technicus
26 Ps 34,6
27 Aus der Benediktion nach der Lesung aus der Tora.
28 SchulchanAruch, Orech Chajim !39,10.
29 Jes 28,13. Andere, hier auch mögliche Interpretation: “Und für sie wird das Wort des Herrn zu … ”
30 Ein traditioneller Ausdruck z. B. bQid 40a.
31 Auch “Aggada”: Erzählung.
32 Das heißt: Verhaltensanweisung, Lehre, “Weg”.
33 Zur Rolle des Taus bei der Auferstehung vgl. Jes 26,19 und bßcr 38h; bShab 88b par.
34 Ps 92,6.
35 Vgl. bMen 29b und bEr 2lb.
36 Zu dem Ausdruck vgl. mPea 1,1.
37 Maase Merkaba; die an Ez. 1 anknüpfende mystische Spekulation zum himmlischen Thronwagen. Von Maimonides wird Maase Merkaba als Metaphysik gedeutet; vgl. Maimonides, Mischne Tora, Sefer HaMadda, hrsg. von E. Goodman-Thau/Christoph Schulte, 1. Buch, S. 83ff., 549, Berlin 1994.
38 bSuk 28a; bBB 134a.
39 Ruach HaKodesch; wörtlich: “Geist des Heiligtums”.
40 Ps 19,8a.
41 Vgl. ySheq 6,1,49d und ySot 8,3,22d.
42 Vgl. hierzu mit der Fortführung besonders Spr 18,10, daneben auch Ps 61,4.
43 Im hebräischen Original: Derech Erez, “Landessitte”.
44 Bezeichnung für den Heiligen – Er ist gesegnet -, vgl. besonders BerR 49,9 mit Blick auf Gen18,25.
45 Anmerkung im hebräischen Text: S. die Einleitung der Tikkune Sohar, Tanna DeBeElijahu, Kapitel 5
46 Vgl. die Formel zur Unterscheidung zwischen Sabbat und Werktag in der Sabbatliturgie
47 bBer 32b.
48 bHag l5b und bSan 106b; Erklärungen bietet Raschi z.St.
49 Ebda.
50 Spr 28,9.
51 Im Original “Jisraeliut”; sprachliche Neuschöpfung Rav Kooks.
52 Vgl. Jes 44,7 und Ez 26,20.
53 Vgl. Ex 26,36 u. ö.- die Decke vor dem heilige(re)n Bereich.
54 bHag 12b par. bAZ 3b, ähnlich SEZ 17,13 u. ö. mit Ps 42,9.
56 Dies vollzieht sich in demselben Maß, in dem sie es an ihrem geistigen Erwerb
55 Anmerkung im hebräischen Text: Eröffnung von Echa Rabbati, genau: EkhaR Pet 2 (ed. Buber, S. 1). Vgl. Mt l2,31f.
56 V gl. Num 6,25.
57 Spr 18,10.
58 Ex 24,7.
59 Anmerkung im hebräischen Text: Raschi zu Deuteronomium 4,6.
60 Wird hier oft im Sinne von “Selbststudium” erklärt.
61 Raschi zu “,eure Feinde’ (Jes 48,1)- das sind die Meister der Mischna” bBM 33b mit bSot 22a.
62 Anmerkung im hebräischen Text: Ende des Kapitels .,diese Funde”, das ist Kapitel 2 und findet sich bBM 33a.
63 Spr 19,24.
64 Vgl. mBer 9,5, par. tBer 6,27 u. ö.
65 Vgl. zu diesem Kapitel: Morgengebet, Berachot HaTora, 1. Beracha.
66 So wird hier der hebräische Ausdruck “Talmide Chachamim”, “Schüler der Weisen”, für die jüdischen Gelehrten übersetzt.
67 mAv 2,16 (andere Zählungen: 2,21).
68 Der “Rif”: Rabbi Isaak aus Fes (Marokko): Isaak ben Jakob alFas(i) !Ol3-ll03.
69 Eine Bezeichnung für den Talmud.
70 Hier wird der Begriff für mystische Überlieferung – Kabbala – verwendet.
71 Isaak ben Jakob alFasi: Sefer HaHalachot.
72 Vgl. den Ausdruck bBer 17a.
73 Spr 3,4 (dort um einen Ausdruck erweitert). Vgl. Bitten am Ende des Tischgebets.
74 Vgl. Ps 19,9.
75 Im Sinne von “Plicht und Schuldigkeit”.
76 mAv 6,6.
77 Spr1,7.
78 Vgl. Kants Definition der Aufklärung, in: Was ist Aufklärung? (1783).
79 Spr. 8,11; eigentlich: ihr (der Weisheit) nicht zu vergleichen sind.
80 Jes 42,21.
81 Spr 16,4.
82 Der Ausdruck erscheint Dan 11, 14.
83 mAv 2,2- Ein Grundsatz der sog. neoorthodoxen Bewegung.
84 Die .,TuJ”: Tosafot Jeschanim, Kommentar zum Talmudtraktat b Yoma.
85 Auf den letzten Zeilen bemerkt der Kommentator zum dort verhandelten Gegenstand, daß die Kommentierung des R. Isaak Alfasi hier die Hauptsache biete.
86 Ps 27,4.
87 mAv 3,7 (andere Zählung 3,9).
88 Maimonides: Mischne Tora, Sefer HaMadda, a. a. 0., Hilchot Jesode HaTora, 4,13 (S. 85).
89 bAZ 19a.
90 Das ist die wegweisende Furcht des Himmels.
91 Vgl. bEr 53b-54a mit 2 Sam 23,5.
92 Das Buch Pflichten der Herzen des Bach ja Ibn Pakuda (11.-12. Jh.).
93 Rabbi Moscheben Maimon (RaMBaM, 1135-1204).
94 Geschrieben um 1180.
95 Vgl. Sach 10,5.
96 mAv 6,2.
97 Jes 23,18.
98 Ps 22,25.
99 Ps 145,18.
100 Oder: “Krankheit, die es bei den Ägyptern gab”; vgl. Dt 7, 16.
101 Ps34,19.
102 Hier steht im Hebräischen Kabbala.
103 Vgl. Jes 28, 12.
104 Bei der Betrachtung der Buchstaben als Zahlzeichen lassen sich durch “Umrechnung” Wörter zum Austausch finden.
105 Vgl. Mal 3,20 und Ri 5,31.
106 V gl. Ps 34,6a.
107 Ps 25,14.
108 bTaan Sb, par bBM 85a.
109 Dt 33,14.
110 b Suk 28a; bBB l34a; R. Jochanan ben Sakkai war der Begründer des Lehrhauses in Javne nach der Zerstörung des zweiten Tempels.
111 mSot 9,15.
112 Werk des Bachja Ibn Pakuda s.o.
113 Vgl. Ps 119,105.
114 Vgl. Ps 107,40 par lj 12,24.
115 Vgl. Jes 28,10.13; s. Anm. 29.
116 Vgl. Dan 11,34.
117 Jes 62,7.
118 Vgl. Jes 57,16.
119 bSot Sa.
120 Jes 64,3.
121 Jer 23,29.
122 bQid 49b. (Hier zitiert nach der Weise, wie die Stelle im Sefer Zidkat HaZaddik, Zeichen 85 wiedergegeben ist.)
123 bChag 9b.
124 bQid 30b.
125 Jehuda Löw (Maharal) ben Bezalel von Prag (1525-1609), Derech Chajim, Kap 2, S. 66.
126 Vgl. Ps 11,10; Spr 1,7; 9,10.
127 Vgl. Spr 6,6.
128 bEr IOOb.
129 DevR 6,4.
130 Pforten des Lichtes ist der Titel eines kabbalistischen Buches von R. Josef Gikatilla (1248-1305).
131 Dt 32,6.
132 So nach der Hauptstadt des Landes genannt, weiter unten auch als “Talmud des Landes Israel” bezeichnet.
133 yßer 5,1,8d.
134 bßer 32b, vgl. oben Kapitel 6 Absatz 4.
135 Vgl. yBer 5,!,8d und bBer 32b.
136 Vgl. bBB 158b: “Die Luft des Landes Israel macht weise.”
137 bSanh 24a mit Klgl 3,6.
138 Jes 9,1.
139 Oder: Wirbelsäule, Rückgrat.
140 BerR 16,4 par WayR 13,5 mit Gen 2,12.
141 bSanh 42a mit Aufnahme von Jes 46,3.
142 Vgl. bEr 48a.
143 Im Wortlaut: “die hinter der Wand stehen”. Der Ausdruck ist Hl 2,9 entlehnt.
144 bEr 2lb.
145 Vgl. Anm. 48.
146 Vgl. bBB 158b und Kapitel13, Absatz 1.
147 V gl. bBB 16a par bNid 52b.
148 bShab lOb.
149 Vgl. Ez 12,19.
150 Vgl. Obadja 1,3.
151 Jes 47,8.10.
152 Besonders ein Ausdruck für Mahlreste, die einen entfernten Abglanz der wertvollen Tischgemeinschaft enthalten.
153 Jes 11 ,4; vgl. Amos 8,4; Ps 76, 10.
154 Ps 133.3.
155 Für diesen in der Vorlage als Zitat gekennzeichneten Ausdruck ist mir kein weiter übereinstimmender Beleg bekannt geworden als eine geringe Übereinstimmung im Gebet “jekum purkan” nach der sabbatlichen Prophetenlesung.
156 Klgl 3,23.
157 yBer 4,5,8c, Abschluß des Gebetes “Haschkiwenu” am Jom Kippur.